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MONTAG, 26. OKTOBER 2026, 20UHR20
James McMurtry
EINTRITT: 35.-
«Back before Napster and Spotify, we toured to promote record sales. Now we make records to promote tour dates», sagt der grosse James McMurtry aus Austin, Texas. Sein 11tes Album «The Black Dog & the Wandering Boy» – das erste seit dem Tod seines Vaters, des Schriftstellers Larry McMurtry, im Jahr 2021 – präsentiert eine Meditation über das Älterwerden und den Tod in zehn rauen Story-Songs, die aber viel zu klug klingen, um in einer klar umrissenen Wischiwaschi-Wischundweg-Kategorie schubladisiert zu werden.
Oft zugleich witzig und traurig, schlägt McMurtry ein neues Kapitel seiner verdaamp langen Karriere auf. In Zusammenarbeit mit Don Dixon, der bei den ersten beiden R.E.M.-Alben mitgewirkt hat, verarbeitet McMurtry Spuren seiner Vergangenheit zu neuen Songs. Er sammelt kleine Ideen und bewahrt sie jahrelang, manchmal sogar jahrzehntelang auf. Daraus entstehen irgendwann präzis hingeworfene Charakterskizzen, untermalt mit rollenden Gitarren, Barroom-Harmonien, Banjofragment und Schnurregiige.
Ein Mechaniker liegt zwischen Ersatzteilen auf dem Garagenboden und sinniert darüber, ob er sich seine Freundin weiter leisten kann. Der Titelsong hat seinen Namen von zwei Halluzinationen des an Demenz erkrankten Larry McMurtry. James verband diese Wahnvorstellungen in einem Song mit straffen Gitarrenriffs und einem fiktiven Erzähler, der von einem schwarzen Hund und einem umherirrenden Jungen halluziniert, während in seinem Kopf «Weird Al»-Songs laufen. «South Texas Lawman» handelt von einem berittenen, Wachteln jagenden, chronisch fremdgehenden Sheriff und entstand aus einer Gedichtzeile eines Freundes des McMurtry-Clans: «Dwight wohnte in den 70er Jahren bei uns, als wir in Virginia lebten. Während eines Besuchs schrieb er dieses Gedicht über die Einstellung seines Vaters gegenüber Südtexas. Er schrieb es auf einen Karton, auf den ich vor einiger Zeit wieder gestossen bin. Darin gab es eine Zeile über die Jagd auf Wachteln zu Pferd, das war der Keim für den Song. Das Gedicht habe ich seitdem verloren.»
Wie seine eher in der dritten Halbzeit ihres Lebens stehenden, hart arbeitenden, vom Pech verfolgten Charaktere (McMurtrys scharfer Blick für sympathische Arschlöcher!), die «The Black Dog & the Wandering Boy» bevölkern, weiss auch der so einfühlsame wie einfallsreiche Storyteller McMurtry nicht immer, was als Nächstes passieren wird: «Man folgt den Worten, wohin sie einen auch immer führen. Wenn du einen Charakter findest, kannst du vielleicht seine Geschichte erzählen. Wenn man sie in eine Strophe-Refrain-Struktur setzen kann, bekommt man vielleicht einen Song.» Und das kann dauern. Sechs Jahre, wie bei «Complicated Game» (2015), seinem 9ten Meisterwerk. «I’ve got a cup of black coffee so I don’t get lazy / I’ve got a rattle in the dashboard driving me crazy // If I hit it with my fist, it’ll quit for a little while / Gonna have to stop to smoke in another mile / Headed into town gonna meet you at the mercantile / Take you to the Sonic get you grinning like a crocodile.»
Immer mehr jüngere Singer/Songwriter wie Sarah Jarosz – die auf dem neuen Album mitspielt – und Jason Isbell – auf dessen Tournee McMurtry dabei war – geben James McMurtry als prägenden Einfluss an. Letzterer sagt: «One of my very few Songwriters on Earth and these days he's working at the top of this game». Er besitze die Gabe, die Zuhörer mit einer Zeile zum Lachen zu bringen, um sie mit der nächsten zu tollschocken.
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Auch der gereiftere John Mellencamp ist ein grosser McMurtry-Fan & produzierte das tolle «Too Long in Wasteland» (1989). Das Album «Childish Things» (2005) ist mittlerweile ein Americana-Klassiker, mit Preisen überhäuft hielt es sich sechs Wochen lang an der Spitze der American Music Radio Chart. Ein Lichtblick in dunklen Zeiten, dass dieser grosse Künstler endlich wieder einmal rausfindet aus dem trümligen ICE-MAGA-PALANTIR-Knast und erneut auf unserer allerletzten Freiheitsinsel Songs von wahrhaftiger und betörender Menschlichkeit zum Besten gibt.
. . . von kargem Singer/Songwriter-Folk über staubtrockenen Country bis zu handfestem Roots Rock. – GoodTimes, 2025
McMurtry's Lyrics verdienen unsere Aufmerksamkeit. Er kreiert in vier Minuten ganze Romane voller Emotion und Erfahrung messerscharfen Reimen. Was dabei oft übersehen wird, ist, dass er dazu eine versierte Rockgitarre spielt... seriöser Stoff, serviert von einer ausserordentlichen Band. – Washington Post
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