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Monday, 06.12.2010, 20Uhr20
oh what a night...
Grant Hart (USA)
Na, das war eine Band: Hüsker Dü aus Minnesota! Zweimal Ü. Ü-Musik. Geil! Dinosaurier, Giganten, too big to fail! Superhelden! Allzeit lang.

Anfangs Hardcore-Punk, dann süssester Hardpop-Postcore-Alternative-Rock. Tiefenwirksam und geradeheraus aus dem undurchschaubaren Herzensgrund. Schwarzwaschend & weissmalend. Blitzgescheit & Himmelhoch. Ellokaler Olymp von Beginn weg: Lebensrettende Alben wie «Zen Arcade», «New Day Rising», «Flip Your Wig», «Candy Apple Grey», «Warehouse: Songs And Stories». Unikate Vorläufer von so vielem, was heute unter den Sternen sich aufführt, als wär das Rad grad neu erfunden.

Deren singender/songwritender Drummer Grant Hart kommt mit seinem ersten Album des 21. Jahrhunderts zu uns, nachdem er anno 1993 schon mal das Inti kerngeschmolzen hat: 180g heisser Wachs (Vinyl), den er mit Membern von Godspeed You Black Emperor! und Silver Mt. Zion legiert hat. Und wie: Hymnen, episch. Vom Allerfeinsten. Schon bei Hüsker war Hart für die melodischeren Songs zuständig. Dieser Rock-Ikarus verlötet in «Narcissus Narcissus» locker griechische Mythologie mit American Rockabilly und Glacé-Lastwagen-Atmosphäre: «I think I have found a style that defines this period of my career.» Ikarus trudelt übrigens auch durchs Cover, wo er – unterwegs zu den Sternen – einmal mehr der Sonne zu nahe gekommen ist und aus dem Rahmen fällt. Ein ewiger Tubel, wie es im Buche steht. Als einen seiner organischsten Rock’n’Roll-Songs ever bezeichnet Hart das poetische «You're the Reflection of the Moon on the Water». Es offenbare seine Bewunderung für Patti Smith. Zudem sei der Song inspiriert vom Ausspruch eines Mönchs während der Suche nach dem nächsten Panchen Lhama über einen Kandidaten: «He is the reflection of the moon on the water but he is not the moon.»

Hart erbte mit 10 Jahren das Schlagzeug seines tödlich verunfallten Bruders und wurde mit 13 schon Profimusiker. Vier Jahre und einige auf vielen Hochzeiten tanzende Dümpelbands später gründete er 1979 mit Bob Mould und Greg Norton das legendäre Trio Hüsker Dü. Unter einem Pseudonym kreiierte er auch die Album-Covers. Nach der Trennung 1987 inklusive Heroin-Entzug brachte Hart das wunderbare Solo-Werk «Intolerance» (1988) heraus; alles selber eingespielt. Mit seiner Post-Hüsker-Band Nova Mob (bis 1997) – in der er für Gitarre & Gesang zuständig war, realisierte er die SciFi-Oper «The Last Days of Pompeii». Das demokratische Bandprinzip sei in dem Moment jeweils gefährdet, in dem man als singender Ex-Drummer wisse, dass man die Drums bei dem & dem Song besser spielen könne, sagt Hart in einem Interview. «Good News for Modern Man» (1999) produzierte er dann wieder rundum selbst.

«I love movies and I'm a huge, huge film fan. In a lot of ways that was my original kick when I was quite young.» Dann und wann liest Hart aus eigenen Werken oder seines Freundes Charles Henri Ford im Metropolitan Arts Club N.Y.; öfters performt er mit der verehrten Patti Smith, teilte die Bühne mit Grössen wie Charles Plymell, Philip Glass und natürlich Uralt-Junkey William S. Burroughs. Und er dient so ausgesuchten Organisationen wie The Duchamp Society, The Ghost Squadron of the Confederate Air Force und The Studebaker Drivers Club of North America. Falls Grant Hart also mit einem Studebaker anrauschen sollte: Im Parkhaus halten wir für diesen kreativen Geist immer ein Plätzchen frei. Und es jubelten die Fische und tanzten dem Reiher auf der Schnabelnase rum, dass dieser überschnappte und die Kantonspolizei gegenüber ihn schon bald ins Burghölzli, Abteilung Irre Vögel, verbringen wollten. Welcome back, Mr. Grant Hart, you’re the reflection of the moon on the cornflower blue of the Mississihl-water.

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