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Samstag, 22.04.2023, 20Uhr20
Lokalbühne
Elliott Brood (USA)
Wenn eines Tages ein nach Amber & Whiskey duftender, ewig-untoter Harry Dean Stanton (R.I.P.) durch dein Wohnzimmerfenster krachen & dir mit einem topmodernen, extrem nachhaltiggrün produzierten Billig-Stromspar-Dampfbügeleisen mit Brandflecken verhindernder SteamGlide Elite-Bügelsohle eines europäischen Markenkonzerns Made In China die Fresse polieren täte, dass die Zähne in Einerreihe zum Darmausgang raus spazieren, könnte Elliott Brood der Soundtrack dazu sein.

Der weniger detailreiche Urtext dieses gemorphten Brutalo-Satzkonstrukts ist zu lesen auf dem Blog des vielfach preisgekrönten Death-Country-Trios aus Toronto/Kanada («loud, heavy and rock'n'roll»). Die drei Zeitreisenden mit dem Singer/Songwriter-Bandnamen tourten schon mit Wilco, Blue Rodeo, Corb Lund, The Sadies. Im siebten Album «Keeper» setzt sich das Trio nun auf persönlichere Weise mit der Vergangenheit auseinander. Der Titel spricht von Loyalität & Langlebigkeit & gibt den Ton für ein Album an, das die Kraft der Überzeugung erforscht & wie diese im Laufe der Zeit immer wieder auf die Probe gestellt wird. Auch erweitern Elliott Brood ihren Sound über ihre akustischen Ursprünge hinaus: Zwei der Songs wurden von Tool- & Johnny Cash-Produzentin Sylvia Massy gemischt. «Keeper» entstand in kleinen Schreib- & Aufnahmepausen während der sommerlichen Festivaltournee. Intensiv, fadengrad & schnörkellos ist der Sound von Mark Sasso – banjo, guitar, harmonica, vocals; Casey Laforet – acoustic guitar, electric guitar, bass pedals, bass guitar, mandolin, banjo, lap steel, vocals; Steve Pitkin – percussion, drums, piano, vocals. Schon seit dem mit dem Polaris Music Prizeausgezeichneten Durchbruchsalbum «Mountain Meadows» (2008) & dem Juno Award-prämierten, von Sterblichkeit, Altern & dem emotionalen Preis des Krieges «Days Into Years» (2011) hat das weitgereiste Trio ein extrem aktuelles & in der Vergangenheit stöberndes Werk geschaffen, das zugleich akribisch & ungestüm, gehaltvoll & unterhaltsam ist. Ihre Bühnenshows sind ein Ritt mit dem Teufel. Regelmässig. Furios. Der Soundtrack zu Harry Dean Stantons Whiskey-getränkten Bügeleisen-Amok, halt. Die drei kamen ja auch zur Musik wie die Hure zur Abtreibung. Am Anfang stand der Gründungsmord. Das klingt dann in etwa so: 1926, während eines Gewitters, läuft ein Mann zu einem Licht auf einem Hügel. Unverrichteter Dinge kehrt er zu seinem baufälligen Bauernhaus zurück & überrascht einen Dieb. Er erschlägt ihn mit einer Schaufel, durchwühlt seine Taschen. Nebst einer Mundharmonika kommen einige lose Fötzel zum Vorschein. Er begräbt die Leiche & verabschiedet sich mit den Worten: «Wiedersehen, Mr. Elliott Brood! Danke für die Songs.» – See you, on Keeper's Island in Zwinglitown!

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