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Feins z'Mittag vom 27. bis 31. Mai
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Montag, 12.09.2022, 20Uhr20
Lokalbühne
Andrew Combs
Der aus Dallas, Texas stammende Andrew Combs lebt in Nash-ville. Und zwar ganz in der Nähe des Flughafens in der Eröffnungssequenz von Robert Altmans Country-Musik-Odyssee «Nashville» (1975).

Combs sieht im Alltäglichen & Gewöhnlichen den sichersten Weg zur Transzendenz & versteht intuitiv, dass das Offensichtlichste oft mit Heiligem gespickt ist. Das Leben ist ein Wunder. Der Singer/Songwriter Comb ist auch ein Maler, der sich beim Verwandeln seiner Leinwände in Kunst eher auf meditative Zurückhaltung denn auf Protz & Klotz verlässt. Wo immer tiefste Schönheit sich erkennen lässt, findet er sie. Sein neuestes Album «Sundays» (August 2022) spiegelt die unterschiedlichen Orte von Combs kreativem Schaffen. «Sundays» entstand nach einem Nervenzusammenbruch an den Corona-Weihnachten 2020. Mittels transzendentaler Meditation fand er sein Gleichgewicht wieder. David Lynch lässt grüssen. So ging Comb Anfang 2022 mit Jordan Lehning & Dominic Billet jeden Sonntag ins Studio, um einen Song aufzunehmen. Wie das Amen in der Kirche. Tatsächlich klingt «Sundays» nach einem flenzenden, vollkommen plan- & stressfreien Sonntag. Anfangs. 11 Songs, ohne gspässigen Tatort. Minimale Instrumentierung. Im Zentrum steht ein durchdringendes Gefühl der stillen Hoffnung & das Finden des Gleichgewichts im tiefsten Innern. Im Gegensatz zu den traditionelleren Roots-Arrangements seiner Alben «All These Dreams» & «Canyons of my Mind» spielt sich «Sundays» in einem dunkleren, kargeren Gebiet ab. Null üppige Streicher, kein sehnsüchtiger Pedal Steel hinter der fingergepickten Akustikgitarre. Vielmehr eine per Daumen angeschlagene E-Gitarre, untermalt von grüblerischem Holzgebläse, gesalbt von Combs weichem gehauchten Tenor. Das Album «wurde in Mono aufgenommen, ohne Verzögerung oder Nachhall. Am Anfang ging es darum, die Arrangements einfach zu halten – wenn man viele Overdubs ohne die Möglichkeit des Pannings hinzufügt, wird es einfach matschig, also mussten wir die Dinge reduzieren, um sie unterzubringen. Der Mono-Sound passte schliesslich perfekt zu den minimalistischen, meditativen Songs, die ich schrieb. Der Gesamtklang fühlt sich an wie ein Schwarz-Weiss-Kurzfilm». Ein Bergmann-Kurzfilm, denn der Song «Anna Please» wurde von «Cries and Whispers» (1972) inspiriert. Die gesamte Bandbreite der Absurdität menschlichen Denkens & Tuns kommt zum Zug. Und am happig-happygen Ende ist Frieden. Warten auf Godot & die gewichtige Frage des letzten Akts: «Shall We Go?». Wir nehmen noch eins auf den Weg!

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