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Göttliche Teufelsmusik
Samstag, 01.12.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
Hans Theessink & Terry Evans (NL/USA)
Vorwärts zurück zu den Wurzeln: Der Delta-Blues lebt. Rein & schmutzig wie es sich gehört. Schlicht fantastisch. Die beiden musikalischen Dinosaurier & Blues'n'Soul-Hochheiligen Hans Theessink & Terry Evans sind echten Insulanern spätestens seit ihrer 11-Minuten-Version von «Mississippi» ein Begriff, in dem sie von Willie Dixon bis Billie Holiday alle Grossmeister des legendären Musikstroms ennet dem grossen Tümpel aufzählen.
Die beiden gehören längst selbst zu den Superhelden der in Terry Evans' Familie als Teufelsmusik verteufelten Kunst von Albert King, B.B. King, Willie Dixon, Elmore James und Little Walter. Er musste sie heimlich hören und wusste dabei immer: «Ich werde Soulsänger.» Die Karriere begann dann später als Songschreiber (Pops Staples, Louis Jordan) und Sessionmusiker (John Fogerty, Joan Armatrading, John Lee Hooker, Eric Clapton, Boz Scaggs, Maria Muldaur, Pops Staples). Mit Ry Cooder gelang ihm dann endlich der Durchbruch. Im Film Crossroad singt Evans den Titelsong und steuerte zudem «Down In Mississippi» zum Soundtrack bei.

Evans fand in Hans Theessink den kongenialen Partner. Der in Wien lebende Holländer erbte kurz vor dessen Tod Georg Danzers Lieblingsgitarre mit dem Auftrag, gut auf das Baby aufzupassen. Hans' Helden Big Bill Broonzy und Leadbelly würden wohl einhellig bestätigen, dass besagtes Baby unter diesen begnadeten Bluesfingern prächtig aufblüht. Immerhin nannte ihn Bo Diddley «one helluva guitar player». Theessink gilt weltweit als Roots-Gitarrengott. Sogar die Wiener haben's gemerkt und ihm 2001 den Goldenen Rathausmann für seine Verdienste als musikalischer Botschafter verliehen. Goldener Rathausmann? Na, schau! Diesen leiwandnen Preis heimsten zet Be auch (man beachte die edle Mischung!) Mischa Maisky, Uwe Seeler, Helmut Qualtinger, Thomas Gottschalk, Freddy Quinn, Pélé, Konstantin Wecker und dieses Jahr eine gewisse Joan Baez ein. Als einer der meistbeschäftigten Musiker der Blues'n'Roots-Szene ist Hans aber ein Live-Crack von Gottes Gnaden. Und des Teufels Advokat zugleich.

Denn Terry hat die einstige Teufelsmusik längst verinnerlicht & vergöttlicht. Malkünstler Alain Kaiser sagt, Hans habe von Terry gesagt, der habe nur Musik im Kopf, sonst nix. Und er blieb beim Atelierbesuch im Auto sitzen, um nix anderem in seinem Schädelrund Platz machen zu müssen. Nun wird diese holde Duo Infernale also auf unserer Insel mit ihrem neuen Album «Delta Time» – bei dem auch Ry Cooder mittat – eine ihrer tief unter die Haut gehenden Live-Kernfusionen starten. Magisch rocknrollender Blues, voller Soul und jugendlicher Spielfreude. Elektrisierend. Alles echt, alles authentisch. Zeitgemäss arrangiert & betörend schön. Pure Insel-Magie: Diese beiden Wisemen jagen uns den schwarzen Schauer der blaublaublauen Sehnsucht in die zappelphilippinen Schwingknochen, dass es eine Freude ist. Heitere Fahne! Dagegen ist wahrlich kein Kraut gewachsen. Und schon gar keine Vasella-Chemie. Unnötig. Diese Musik heilt alle Wunden & Wehwechen, denn sie ist von dieser Welt. Hier bei uns, am ewigblausten Satansriver jenseits des grossen Teichs. Unfassbar schön!

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