Unsere Elektrobrieftauben fliegen immer wieder ins worldweite Nezz. Unseren Newsletter abladen. Mindestens wöchentlich ...
Feins Z'Mittag gibt's vom 19. August bis und mit 23. August 2019
Am liebsten gelesen, gehört und angeschaut ...
Da kommt Sturm auf
Samstag, 03.11.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
Schöftland (CH)
Wir warnen euch vor der weltweit vielleicht grossartigsten & unmundartigsten Berner Deutschrocktruppe der Hamburger Schule.

Die Verschollenen & die Verschellten aus Hermann Burgers Schilten grüssen erneut und tauchen aus den verklärenden Nebeln von Schöftland wieder auf im weltnaturerbgeschützten Kanonenputzerschilfgürtel unserer allerletzten Kulturinsel. Zet Be die Schlauchbootschaft Vol. 9 auf Dutubel: Sie mündet nach Pump-it-up-Poly-Rhythm und zirka 8 Plätscherlaissezfaireminuten mit viel waschecht-authentischem Singvogelgezwitscher in etwa in den grossartigen Dialog: «Hellohello. From where you are coming?» – «From Eichholz.» – «From where? From Thun?» – «From Bern.» Da befinden wir uns mitten im Strudel des Problems: Diese Berner benennen sich nach einem Kaff mit Schloss & Wirbelkraftwerk am aargauischen Arsch der Welt, das sich selbst als ‚Fortschrittliche Zentrumsgemeinde im oberen Suhrental’ bezeichnet und nach einem mythischen Land, weiss der Teufel wo im elchigen Norden klingt. Nicht genug: Sie halten sturzfrech die Plattentaufe zu ihrem gleichnamigen Album «Schöftland» im gopfertamiheiligen Züri auf unserer allerletzten Insel am Mainstream des Universums ab, der guten alten Sihl! Tja, Leute, da kommt Sturm auf. Und zwar heftigst.

Denn die Musik von Schöftland ist wie ein Gewitter an einem traumhaft goldenen Sonntag im Herbst: Wärme & Geborgenheit schlagen urplötzlich um in sackernd Blitz & Donner. Derbe Schönheit, mal mit kargen Harmoniumakkorden, trägem Baritonsax und schleppendem Kontrabass, dann wieder lustvolle Wellen von krachendem Gitarrenstrom, peitschenden Trommelregen und weiss-gischtenden Beckenblitzen. Sie gefallen auch im grossen Kanton hinten sehr, gaben auf der Citynightline-Tournee an jeder Haltestelle ein Konzert und konzertierten mit Gysbert Zu Knyphausen von ennet dem Rhein bis auf unser weiland Eiland. Dass sie die Nullnullsiebner Debut-EP «Nur Touristen» eine Woche lang mit illustren Gästen wie Heidi Happy, Pedro Lenz und Greis fest-releasten, haben wir euch auch schon verzapft. Inzwischen aber haben Floh von Grünigens Zuversichts-Apokalypsen klar an Bedeutung gewonnen.

2010 setzt Schöftland ihrer bärengebundenen Heimatstadt mit denselben Valser Quarzitplatten, mit denen nun auch Züri seinen Zócalo auslegen wird, auf dem LP-Erstling «Der Scheint trügt» ein Denkmal mit dem denkwürdigen Song «Kleinstadt».

Das war denn mit rund 40 Shows auch das konzertreichste Jahr der Bandgeschichte. 2011 bestreitet Floh im Frühjahr eine 10-tägige Solotour als Support des Berliner Songwriters Moritz Krämer quer durch den Grossen Kanton. Dann wird «Schöftland» in Farb & Form gestanzt und als Vorabzückerli verschenkt die Band zu den Nationalratswahlen den grossen Polithit «Die jungen Alten»: «Und die Jugend will viel bewegen und die Alten viel behalten.» Genau. Also, ihr alten Jungen, herkommen und dem poesiepeitschenden Schöftland-Sturm trotzen.

top...
el Lokal