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Der alte Alchemist verwandelt Scheisse in Gold.
Montag, 23.04.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
Chuck Prophet
& The Mission Express (USA)
Ein Erdbeben der Stärke 6.4, korrupte Bullen, Stromblackouts und mundnasenmaskierte Schweinegrippe liefern den Stoff zu seinen politisch unkorrekten Stories. Und zu allem wunderbaren Elend ein state of the art-Tonstudio obendrauf - allerdings von 1957.
Einer unserer ältesten Freunde: Auf seinem vorletzten Album sezierte unser nie genug erlebte Stammgast & Ex-Green-On-Redler Chuck Prophet mit seiner legendenstrotzenden Squier Telecaster und spitzer Poetenzunge den mottenfrassmürben American Dream im friedensnobelpreiskriegendsten Viertweltland unserer gebeutelten Planetenspielhölle. Ein Erdbeben der Stärke 6.4, korrupte Bullen, Stromblackouts und mundnasenmaskierte Schweinegrippe liefern den Stoff zu seinen politisch unkorrekten Stories. Und zu allem wunderbaren Elend ein state of the art-Tonstudio obendrauf - allerdings von 1957.

Widrige Umstände können einen Chuck Prophet nicht beirren, geschweige denn umhauen. Im Gegenteil: Der alte Alchemist verwandelt Scheisse in Gold. Als er einst aus Versehen samt Band im Tonstudio in seiner Heimatstadt eingeschlossen wurde, liefen er und seine Jungs zu Höchstform auf und spielten mirnix-dirnix das formidable Cover-Album «Dreaming Waylon's Dream» ein. Auch «¡Let Freedom Ring!» sei in Mexico City nicht gerade unter rosigen Produktionsbedingungen in nur acht Tagen entstanden. Aber wenigstens in Freiheit, vermutlich. Um so schöner, herzerfrischender und ungehobelter räumt es in seiner kaleidoskopischen Bestandesaufnahme mit dem amerikanischen «My Way»-Traums auf. «A political album for non-political people», nennt das Prophet selbst.

Für sein zwölftes Studioalbum «Temple Beautiful» kehrte Prophet in seine geliebte Hometown Frisco zurück. Es ist eine Liebeserklärung an die Stadt seines (gebrochenen) Herzens. Souverän. Voller Leidenschaft. Typisch Chuck, der vor rund 30 Jahren hier strandete und von Vitalität, Kreativität & Wandlungsfähigkeit des Orts fasziniert war & ist. Eine seiner ersten Anlaufstellen war der inzwischen längst geschlossene Konzertschuppen & Insider-Club Temple Beautiful. 12 Tracks, meisterhaft eingespielt mit Mission Express plus lokalen Gästen wie Roy A. Loney von den legendären Flamin’ Groovies. Rockig, humorvoll, herzzerreissend, verquer. Fact & Fiction. Seit Lou Reed’s «New York» gab es keine derartig flammende Liebeserklärung mehr an eine Stadt. Zureich jedenfalls hats noch nie erlebt. Aber wenn Chuck in unserem Inseltempel Beautiful losrockt, ist Zwinglitown HeiligFranziskusstadt. Scheiss drauf. Denn live ist Chuck schlicht und einfach einer der Allzeit-Allergrössten.
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