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Lesung:
Dienstag, 28.02.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
«Der Keeper bin ich»
Der Autor Pedro Lenz und sein nicht minder bekannter Übersetzer Raphael Urweider lesen die hochdeutsche Version des Bärndütsch-Bestsellers «Der Goalie bin ig», ausgezeichnet mit dem Schillerpreis 2011 und auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises 2010.
Bern ist überall (Lenz ist Mitglied der gleichnamigen Spoken Word-Bühnenkollektivs). Lenz ist auch überall (Gewinner diverser Poetry Slams), aber seinen Lebensmittelpunkt hat er in Olten. Und er ist Dichter & Schriftsteller. Auch Kolumnist für NZZ, WoZ & womöglich noch mehr. Weiss der Gugger. Ein umtriebiger Geselle. Ein richtiger Lenz halt. Kolumnen, Gedichte & Kurzgeschichten gibt’s auch als Bücher. Wunderbar ist auch sein «Kleines Lexikon der Provinzliteratur» (Bilger), in dem er Leben & Werk fiktiver Dorfschriftsteller versammelt. Musikalische Lesungen von «Der Goalie bin ig» mit dem Patent Ochsner-Pianisten Christian Brantschen würden gar das Hallenstadion füllen, so es denn soweit käme. An drei Abenden nacheinander.

Und jetzt kommt dieser wunderbar performende Wortkünstler also zusammen mit Urweiderscher Urkraft, damit auch unsere geliebten Grosskantönler ihn verstehen können: Der vielfach preisgekrönte Berner Lyriker Raphael Urweider wirkt als künstlerischer Leiter am Schlachthaus Theater. Er übersetzt Gedichte und Theaterstücke aus dem Englischen. Und eben auch «Der Goalie bin ig» aus dem Bärndütsche ins Schriftdeutsche, also «Der Torhüter bin ich», oder? Eigene Bücher: Lichter in Menlo Park (2000); Das Gegenteil von Fleisch (2003); Alle deine Namen. Gedichte von Sucht und Sehnsucht: Gedichte von der Liebe und der Liederlichkeit (2008). Dazu die NZZ: «Voller Überraschungen und origineller Ideen, durchsetzt von Witz und Geist, geprägt von einer ganz eigenen, ebenso verstörenden wie berückenden Poesie.»

In «Der Goalie bin ig» hält ein Ich-Erzähler, ein Schelm & Laferi mit geöltem Maul, in plastischer, farbiger Umgangssprache Rückschau auf ein verlorenes Paradies. Ein Ex-Junkey der 80er-Jahre. Schönreden, was war. Nach dem Gefängnis wieder zurück in den Alltag der Kleinstadt seines Lebens, in der ‚keiner dem andern was gönnt, ausser einer Grippe oder einer Hautkrankeit‘. Gelegenheitsjobs. Verliebt sich in Kellnerin Regula, die einen andern hat. Spanienreise. Die alten Geschichten holen ihn immer wieder ein. Er war der Sündenbock, der für eine weit grössere Sache geopfert worden war. En Tubel, wie er im Buche steht. «Der Goalie bin ig« ist mündliches Erzählen vom Feinsten. Spoken Word at it’s bescht. Lenz gelingt ein berührendes Porträt der kleinen Leute in einer kleinen Welt in einem kleinen Land. Doch da die grosse Welt aus lauter kleinen Universen besteht, haben wir es hier zweifellos mit Weltliteratur zu tun: «Gschichte si nid wi Zähn, wo nume zwöi Mou chömen und wenn se verbrucht hesch, isch fertig. Nei, d Gschichte wachsen immer wieder noche.»
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