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«Chille & Chunscht»
Montag, 06.02.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
Zöll(n)ers Band (CH)
Sie sind lustig, aber so lustig wahrscheinlich auch wieder nicht (könnte zwar schon, aber...) – gegoogeltes Zwischenresultat:
Jacob Burckhardt: Die Bitte des Zöllners im Tempel: betrachtet in einer Leichen-Rede : gehalten bei der Beerdigung des Herrn Emanuel Schnell ; Montags den 1. April 1844 in der Kirche zu Läufelfingen (Google eBook).

Aha, aber schon geht’s los mit den Zöllers & den Zöllners: Dutubel ist voll davon. Aber eins müsst ihr glauben: Live ist das alles wieder anderscht. Schon der Bandname weist in diesen grenzenlosen Zeiten auf den ultimativen Todernst dieser tollgewordenen Feuerwehrtruppe hin, denn das umklammerte (n) kann man drin lassen oder draussen. Kein Unterschied. Wobei diese stonegewaschenen Appenzöller mit Zöller, der Band des BAP-Schlagzeugers Jürgen Zöller, nicht verwandt sind [sieht aber eigentlich ja jeder Tubel am fakultativen (n), oder?!].

Die Zöll(n)ers spielen «moderne Popmusik zwischen Ironie und Parodie». Und sie wollen damit nur eins: dem Publikum eine Freude machen. They only want to make you happy. Sie singen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, also Mundart. Oder auch nicht. Genau geschrieben, in «hybridem Dialekt» (Wittikoner Morgenbrief). Als «Desillusionsstücke aus der idyllischen Provinz» bezeichnet die (anonym bleiben wollende) Mutter eines Bandmitglieds den einzigartigen Zöll(n)er Sound. Als «gesichtslose Agglomerationsdudeleien verzweifelter Jugendlicher der Generation post-X» ein universalgelehrter Journalist von Zwinglis Gnaden. Auf der Website der Lammgottes Distribution, in deren Kell(n)er-Archiv «verfaulte Studenten, schimmlige Rocker, nette Typen, Architekten und andere Berufsgruppenskelette» vor sich hinmodern, ist unter Konzertdaten nach 2007 nix mehr aufgeführt. Aber wir bringen Good News von Zöll(n)er: Die «Show der Gefühle»-2011-Tour macht nun im Zwo-Zero-Zwölf Station in unseren Heiligen Hallen.

Als heimwehkranke Bodenseematrosen waren sie auch schon in Zureich: «Züri isch fascht wie Zöll, d’Auto fahred schnöll...» – göll. Überhaupt haben diese weitgereisten Lokalmatadoren viele authentische Geschichten auf Lager wie ihr leicht selber dutubeln könnt: Im Süden, genau «Südamerica», heiraten sie nach Tequila & Lambada die schöne Priscilla. Oh, nana-nana, banana. Aber «s’git au anderi Liide», wie der verschossene Luciano Tedesco aus Appizöll in Palermo ach so schmerzlich erfahren muss. Zöllers «Chille & Chunscht» erzählt – in einem Text, der nix damit zu tun habe – von der gescheiterten Kirchenorganistenkarriere des Orgolisten Örgi. Das sei eben wie in der Kunst – und somit durchaus hauptflussgerecht & stromlinienfromm – mit ihren «teilweise grotesken» Song-Collagen: Jeder Musikus interpretiere in jedes Lied etwas anderes. So auch die glücklichen Publikümmer.

Die unvergleichliche Band zum Lokal-Bier also: Sender (Gesang), Xaver (Gitarre), Örgi (Keyboard) & N. Steffen (Schlagzeug/Perkussion). Das rumpelt, heult & himmeltrauert so überraschend & frisch von der Leber weg, dass es eine Freude ist. Urban-Voralpen-Mundart-Chanson-Instant-Comedy-Punk vom Feinsten. Ein kunterbunter Inselabend voller sinnlos-unerhörter Geschichten, die alle, aber wirklich & wir schwören bei allen anonym bleiben wollenden Müttern dieser Erde & drüber hinaus, wirklich, wahrlich alle WAHR & aus dem noch wahreren Leben gegriffen sind. Und todernst. Es bleiben zwar keine Fragen offen, aber... stammen die Zöll(n)ers wirklich aus Appenzell?
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