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Sonntag, 26.04.2009
Lokalbühne
Eleni Mandell
Ein Rockmantra wie "God Is Love" hat Eleni Mandell noch nie geschrieben. Wie hier die Sologitarre ihres Saitenmanns Jeremy Drake stoisch ein ums andere Mal die Skalenstufen hinabtänzelt, bis sich diese Rifffolge ins Hirn gebrannt hat, wie manchen Christen das Vaterunser, das hat hypnotischen Zauber.

Während Eleni Mandell auf ihrem siebten Album sämtliche Stile ihrer bisherigen Karriere - von Indie bis Country - durchdekliniert, liefert Drake stets die richtigen Licks ab. Oft hockt seine Gitarre klein und böse in der Ecke und kommentiert und konterkariert das Geschehen mal spöttisch, mal höhnisch, mal mitfühlend (wie im jazzig-zärtlichen "In the Doorway"). Und in "It wasn't the Time (It was the Color)" ertränkt Drake am Ende Mandells Erinnerung an eine ferne verlorene Liebe in aufbrandendem Crescendo. Überall hat der Mann seine flinken Finger drin; er gibt Mandells heterogener Songsammlung den festen Rahmen, führt sie stilsicher vom Rock zum Folk und wieder zurück. Effekt: ein weiterer Karrieresprung für die Sängerin aus Los Angeles.

Eleni Mandells Weg hat einige bemerkenswerte musikalische Kurven zu verzeichnen: Sie begann - und das sagt sie selbst - mit dem etwas schrägen Vorsatz, am liebsten Tom Waits sein zu wollen. Es folgte mit "Country For True Lovers" eine Kehrtwendung: Plötzlich galt sie als Garantin für erstklassigen Retro-Sound mit traditionellen Wurzeln. Nun entwickelte sie sich von da weg, hin zu einer eigenständigen Form, die zuletzt in bemerkenswert gut gelaunten Strukturen endete. Mit dem neuen Werk schwenkt sie wieder in eine andere Richtung: Country und Jazz sind zwar noch nicht ganz vergessen, aber längst nicht mehr so wichtig. Pop - an dem sie sich bislang die Zähne ausbiss - schleicht sich langsam ins Geschehen, wie auch eine Prise Indie-Rock. Und es geht wieder unberechenbarer zu, was das Songwriting betrifft - nicht so unberechenbar wie zu Beginn, aber Tom Waits ist auch nicht mehr ganz so fern. Warum auch? Mittlerweile hat Eleni Mandell genug Routine und Wissen, um ihre Eigenständigkeit auch songwriterisch ausdrücken zu können, so dass Referenzen nicht mehr mit dem Ruch des schon mal Dagewesenen alles in die Retro-Ecke stellen. Mit "Artificial Fire" ist ihr - wieder ein Mal - ein kleiner Überraschungscoup gelungen, der zeigt, dass Eleni Mandell sich konsequent wandelt und weiter entwickelt.

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