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geneva bayou connection
Samstag, 26.09.2009
Lokalbühne
Mama Rosin
+ Hells Kitchen
Mes dames et messieurs, wir präsentieren wiederum unser lokales Genfer Doppelpack.

Bei Müttern schmeckt’s doch immer am Besten. Vor allem, wenn ganz langsam gekocht wird: "Brûle lentement" ist der Zweitling nach "Tu as perdu ton chemin". Und es mundet hervorragend: Mhhhhh, that’s CAJUNLICIOUS! Sie sind nicht vom Weg abgekommen, obwohl zwischen den beiden Werken viel passiert ist. So tourten sie durch die halbe Welt und legten dabei jedesmal einen Stopover hier an der Sihl ein, bestritten das Vorprogramm der Stray Cats, kamen nach dem Kaufleuten ganz schnell bei uns Lokalbier trinken, gaben BBC's Marc Lamarr die Ehre und heizten der EM-Eröffung in Wien ein. Die Energie und Leidenschaft geht auch dieses Mal nahtlos in die 13 Tracks ihrer neuen Scheibe über; ganz getreu dem Rezept "Aus alt mach neu": Ein Gumbo alter Cajun und Zydeco-Wurzeln, verfeinert und gewürzt mit Sound und Power des neuen Milleniums; Old Deep Lousiana Black Roots treffen auf Velvet Underground und Daniel Johnston! Ebenso überzeugt das Trio live; mit unbändiger Spielfreude und Musikliebe, sowie Einflüssen und Elementen aus Blues, karibischen und afrikanischen Klängen, Calypso bis hin zu psychedelischen Irrgärten zaubern Mama Rosin einen einmaligen Augen- und Ohrenschmaus auf unseren Inselbretterteller.

Oh, Mama Rosin. / Oh, Mama Rosin. / Sortez donc c’est larhumba pour toi. / Oh, Mama Rosin. / Oh, Mama Rosin. / Sortez donc c’est la Mambo pur toi. // Y’a rien qui me chauffe comme le Tango. / J’ai tombé en amour pour e Tango. / Y’a rien que j’aime comme le Tango. / Venez donc danser avec moi

Und logischerweise fräsen wir jetzt shakend im Höllentempo Richtung Erdmittelpunkt, wo Langsamkochen Jahrmillionen alte Lava bedeutet und eigentlich abkühlt: In der Hölle, dort wo der Teufel den Höllenofen selbst einheizt, wird heisser gegessen als gekocht. Und das will was heissen. Chris Wicky von Favez zum Trio Hell's Kitchen: "Die beste Genfer Band seit langem!" Und auch andere Westschweizer Musikszene-Kenner hören nicht auf, die Teufelsköche über den grünen Klee zu loben. Höchste Zeit also, dass nun nach Bern und unserer Insel, doch das 2. Mal, auch die Restendeutschschweiz endlich auf die Suchtgefahr hinzuweisen. Das neue Album "Mr. Fresh" sollte bis zum Inselhöllenritt soweit abgekühlt sein, dass nicht grad jedes Gerät verdampft.

"Jack Is A Writer" – der zweite Song ihres Erstlings "Doctor’s Oven" – brilliert mit trashiger Percussion und leidenschaftlichen Vocals, einem stoischen Kontrabasslauf und einer leicht durchgeknallten Zweitstimme. "Dance Machine" wartet dann mit Banjo und einer Slide-Gitarre auf. Natürlich fehlt auch die Blues-Harp nicht ("Stay In My Back", "Nice"). Ein Werk mit dem richtigen Mass Dreck und Verzweiflung, das berührt und den altbekannten Akkorden ganz neue Facetten abgewinnt. Nein, auf diesem highway to hell kannst du nicht einfach nur geniessen, du sollst schreien, getaktet von Mutter Courage-Hammer-Percussion, einem Fisch-auf-Acid-Stehbass und elektrisierenden, nach Pech und Schwefel riechenden Gitarrenlicks, die gar dem toten Tod die Knochen tüchtig klappern liessen. Teuflische Gesänge verrenken sich alle Gurgeln und Nackenwirbel. Nein, das ist keine kleinkarierte Schulbuchromantik, das ist kreatives Chaos vor und nach dem Urknall. Also wenn du dem Teufel noch nie begegnet bist: Welcome to Hell’s Kitchen and feel the big heat!

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