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Auf der Suche nach dem perfekten Song...
Montag, 16.11.2009, 20Uhr20
Lokalbühne
Todd Thibaud,
Jeffrey Foccault +
Kris Delmhorst
Ganz ehrlich - welche Bilder sind es zuerst, die das Wort "Folk Music" bei uns auslöst? Tauchen da nicht langhaarige Hippies vor unserem inneren Auge auf, die wütende Poesie und zärtliche Parolen zu rudimentärer Gitarrenbegleitung in die Welt der 1960er hinaustragen? Fiedeln und Akkordeone, die in wunderschön rauch-geschwängerten Beizen und zu ebensolchen Stimmen mit Banjos und Mandolinen um die Wette kreiseln?

Durch übertriebene Klischeebildungen verkümmerte der "Folk" nach seiner Blütezeit in einer No Go Area. Doch was gut ist kommt wieder: Selbst die synthetischste Phase des Pops konnte den akustischen Urquell der Popularmusik nicht zum Versiegen bringen. Mit gekonnter Lyrik und ein paar Gitarrenakkorden ist es heute freilich nicht mehr getan: Was die Enkel von Woody Guthrie und die Töchter und Söhne von Dylan, Baez und den Weavers ersinnen, ist weder grob gehämmert noch psychedelisch verbrämt, sondern feinste Songwriting-Kunst. Die alten Bärte sind längst ab und Folkmusik hat in Amerika ein unverbrauchtes, frisches Gesicht, gibt sich politisch dabei immer noch engagiert und vor allem: musikalisch äusserst vielfältig mit offenen Türen zum Country, Gospel, Pop und Blues. Gerade zwischen Boston und Austin schlummert da für uns Europäer eine Menge Unentdecktes.

Zwei alte Bekannte und Madame Foucault a.k.a. Kris Delmhorst, mit der einst Jeffrey das Trio Redbird gegründet hatte, das wir immer mal bei uns haben wollten..... nun: zwei Drittel tauchen hier nun an der Sihloberfläche auf. Zusammen mit Mr. Thibaud, der unsere Bühne schon grausam und hopplalätz solo gerockt hat: US-Singer/Songwriter Thodd Thibaud hat musikalisch einiges auf dem Kerbholz: Als ehemaliger Bandleader der Bostoner Courage Brothers driften seine Songs im farbenprächtigen Niemandsland zwischen Rock, Folk, Country und Blues. Aber eben: Man muss es selbst hören, um das Thibaud’sche Sounduniversum erfassen zu können. Er jedenfalls gibt immer sein bestes: "Als Songwriter bin ich in einem ständigen Lernprozess auf der Suche nach dem perfekten Song. Natürlich werde ich dies nie erreichen, aber ich arbeite daran." Knackiger Roots-Rock, melodiös, sensibel und mit wunderbar originellen Ecken und Haken. Seine aktuelle Scheibe "Broken" spielte er akustisch ein und liess dann langjährige Kumpels drüber spielen. Herausgekommen ist ein intelligentes, richtig tolles Americana-Piece, das einem beim ersten Hören schon vertraut vorkommt und trotzdem nie verleidet. Und live: das Erlebnis überirdischer Freiheitsgefühle! Wir wissen es.

Was für ein Titel: "Shoot The Moon Right Between The Eyes: Jeffrey Foucault Sings The Songs Of John Prine" (2008)! Eine Aufforderung, den Mond (und nicht den Mann darin) gezielt zu erschiessen. Und sowas in den terroristenparanoidisierten Staaten, die soeben wieder ihre bemannte Mondfahrt-Milliardenkiste feiern, als gehörte ihnen alles Geld der Welt. Jeffrey Foucault aus Wisconsin – oder eben die lebenden Songwriter-Legende John Prine – muss von einem ganz gefährlichen Affen gebissen worden sein: "Ich war siebzehn als mein Dad John Prine’s erstes Album nach Hause brachte und es wurde für eine Weile meine Privatreligion. Ich lernte Gitarre zu spielen, indem ich seine Songs lernte; und Dad und ich spielen sie noch heute nach dem Abendessen, wenn ich mal zuhause bin. Sie haben mich für Jahre in Hotelzimmern, fremden Ländern, auf und neben der Bühne begleitet, immer auf wunderschöne und unerwartete Weise die Wahrheit erzählend. Das ist die Platte, die ich immer schon mal machen wollte." Okay, damit ist wohl alles gesagt. Den Rest könnt ihr googeln, last.fmeln oder youtubeln: Am besten aber kommt ihr einfach her und erlebt, wie Thibaut, Kris Delmhorst und Foucault in unserer überirdischen Inselkathedrale eure brachliegenden Seelensaiten in ungeahnte Schwingungen versetzen. Da sind Worte halt einfach sprachlos.

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