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Klezmer Cabaret...
Sonntag, 06.12.2009, 20Uhr20
Lokalbühne
Daniel Kahn
& The Painted Bird
Haben in der Hafenkneipe gespielt. Die wollen die nicht mehr. Unerklärlicherweise. Wir wollen. Weil damals hatten wir am gleichen Abend die grossartige PHANTOM BAND. Züri ist eine grossartige Stadt.

Die multinationale, in Berlin ansässige, unbequeme Klezmerband Daniel Kahn & The Painted Bird gehört zu den umtriebigsten Truppen der Szene. Das im März erschienene Album "Partisans & Parasites" wurde auf drei Kontinenten eingespielt. Und natürlich mit der Crême de la Crême, was die Musiker betrifft: Frank London (Klezmatics, Klezmer Brass All-Stars), Paul Brody (Tsadik’s Sadawi), Michael Winograd (Socalled, Budowitz), Vanya Zhuk (Nayekhovichi) und Psoy Korolenko. Das Tour-Programm umfasst Klezmer Cabaret-Stücke, Songs mit leichtem Jazzeinschlag und dann & wann ein bis zwo Brecht-Songs. Na, wirklich: Grossartige Musik ist das! Noch vielseitiger, fordernder und schöner als der Vorgänger "Broken Tongue". Und live klingt das alles immer wieder anders, immer wieder neu und unerhört. Da liefert einer einen grandiosen Gegenentwurf, eine Alternative zu vielem, was nicht nur in der Folk-Punk-Szene schief läuft.

Geboren und aufgewachsen in Detroit, hatte Daniel Khan Gelegenheit, seinen Platz zwischen schwarz & weiss, arm & reich, oben & unten, drinnen & draussen zu finden. Nach einem Theater- und Musikstudium lebte und arbeitete er in New Orleans, Detroit, New York und Ann Arbor und machte sich als Barpianist, Regisseur und Schauspieler, auf Bluegrass-Jams und Punk-Zirkus-Paraden einen Namen. Ausserdem komponierte er die Musik zu einer Produktion von Brechts "Mann ist Mann". 2005 zog er nach Berlin, wo er schnell zu einem unersetzlichen Mitglied der Berliner Folk- und Klezmer-Szene wurde. Folgerichtig gründete er im Herbst 2005 seine eigene Band The Painted Bird. Aus den Zutaten jiddisches Ost-Europa, Berlin der goldenen 20er, Polit-Cabaret, Punk, Gesamtspektrum des Polit-Songs und Erzählweisen des traditionellen Volksliedes alchimiert Khan die Kraft des Revolutionären, die aus einem Song wie "Dumai" spricht. Und auch den revolutionären Enthusiasmus, der "Yossl Ber" befeuert und an die besten Momente der Pogues erinnert. (Falls sich noch jemand daran erinnern kann.) Kahn singt Englisch, Deutsch und Jiddisch – traurig, fröhlich, böse, humorvoll, tragisch, theatralisch, poetisch und politisch absolut nicht korrekt. Dabei spielt er Akkordeon, Gitarre, Klavier, Mundharmonika und eine sympathische Ukulele, hauptsächlich aus einer alten Zigarrenschachtel bestehend. Und wer wirklich etwas über Khans unglaubliche Bühnenpräsenz wissen will, soll googooselen oder sich ungeschützt dem Orkan aussetzen, der unserer lauschige Inselstube heimsuchen wird.

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