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Vom Disco-Rock-Stampfer bis zum Südstaaten-Groove...
Samstag, 26.11.2011, 20Uhr20
Lokalbühne
Trummer (CH)
Es sind kleine Gesten, um die herum Trummer seine launigen Geschichten schreibt. Als Meister der Poesie des Nebensächlichen zeigt sich der 32-Jährige. Verspieltheit prägt nicht nur die Texte, von verführerischer Leichtigkeit ist auch die Musik. – Der Bund, 24.2.11
Es war einmal ein Frutiger auf Amerika-Tournee. Monatelang. 1978 geboren. In Frutigen. Er hiess & heisst Trummer. Da in den USA fragte er sich eines schönen Tages plötzlich: «Warum singe ich Englisch?». Auf den zwei CD’s «Night Light» (2004) und «Anyways» (2005) hatte er das erfolgreich getan. Dann fand er es absurd, «die Kommunikation mit dem Publikum zu suchen, aber in einer Sprache zu singen, die die meisten Leute hier halt doch nicht unmittelbar verstehen». So kam es, dass Trummer mit berndeutschen Liedern von seiner Amerika-Tournee zurückkehrte. Mit berndeutschen Songs, wie ihr sie noch nie gehört habt: «Ich wollte neue Sounds und Farben suchen und sicher gehen, dass die zum Teil sehr filigranen Songs nicht einfach durch den Rockwolf gedreht werden.»

Nach seinen ersten beiden Mundartalben «Im Schatte vo däm Bärg» (2007) und «Dr ganz Wäg zrügg» (2009) präsentiert er nun «Fürne Königin» (2011) auf unseren goldenen Bühnenplanken. Das Album beginnt, wo jedes Märchen endet: «... u we si nid gschtorbe sy, de läbe si no hüt...». Dann lebt man eben weiter. Ha! Logisch, oder?! Und wie. Den Songs wurde mit Geigen & Trompeten und einem wahrlich royalen Ensemble (Hendrix Ackle, Valeska Steiner, Adrian Weyermann, Shirley Grimes oder Nadja Stoller, nebst seiner Rhythm-Section Rob Aeberhard und Muso Stamm) die Krone aufgesetzt. Und eben dort, wo sie nicht gestorben sind, stehen, sitzen, räkeln sich Trummers Königinnen. Prinzessin spielen war mal. «Was wosch di i däm dunkle Turm verstecke, mittz i dim grosse Riich? Du wirsch nid mänge Retter finde, wo när ma König sy», heisst es im Titeltrack.

Trummer hat viel hineingesteckt, in dieses Album. Auch was die musikalische Mischung betrifft, vom Disco-Rock-Stampfer «Neon Liecht Meitschi» bis zum Südstaaten-Groove von «Gschyd wär anders». Und viel gibt er live seinem Publikum. «Man darf diesen Songs gern auch widersprechen», sagt Trummer, «das fände ich sogar toll. Ich habe keine Botschaft zu verkünden, keinen Anspruch auf Richtigkeit. Mich interessiert einzig die Frage, wie sich das Leben anfühlt, wie es aussieht, wenn man mal innehält und Zwischenbilanz zieht. Und dass man dabei einseitig bleibt und erst später merkt, dass es noch andere Perspektiven geben könnte, das ist ja gerade, was die immer momentane Natur des Lebens ausmacht.» Da wird nicht einmal unser verliebter Fischreiher widersprechen, dessen Pink Flamingo-Königin übrigens die Farbe gewechselt hat: Sie trägt Hellblau mit Goldkrönchen. (Nur so nebenbei: Habt ihr übrigens schon mal die Folgen einer Graureiher-Scheissattacke überlegt?)

Trummer taucht mutig kopfüber in die eigene Sprache rein. Es gelingt ihm dabei vortrefflich, Strassennähe und Poesie zu vereinen. Und spannende Geschichten zu erzählen. Und wunderschön träfe Bonmots zu platzieren:
«U mängisch gits nüt Feltschers as wenn mer alles richtig macht.»

– Benni Vigne, Tages Anzeiger
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