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gipsypolkadisko...
Samstag, 23.10.2010, 21Uhr21
Lokalbühne
Palkomuski (CH)
Gipsypolkadisko – dieser Begriff dürfte den Palkomuski-Sound mitten in die Kartoffel treffen, aus der der dazu passende Wodka gebrannt wird. Und dass das ziemlich deftig fetzt, dürfte damit auch hinreichend geklärt sein. Auch das ist eben Weltkleinstadt-Züri:

Ein Quintett, das die städtischen Bühnen vom Helsinki bis zur Werdinsel mit Balkan-Ungarn-Russki-Powerfolklore schon tüchtig aufgemischt haben. Irgendwer schreibt wieder kryptisch von einem «musikalischen Teppich» der Band, aber den wollen wir nicht staubsaugen müssen. Tod den bescheuerten Plattismen!

Wahr ist: Es wird Polka aus allen Löchern & Enden gepowert und es werden Einflüsse von Leningrad, Mahala Rai, dem grossen Arschloch-Eugene von Gogol Bordello, Tom Waits und Paolo Conte mit unglaublicher Selbstverständlichkeit zu gänzlich neuem Altbekanntem verbraten. Regeln & Traditionen sind da, um gebrochen zu werden. Und live ist das eine Wucht. Klar, dass da auch die Teufel rauskommen und tanzen, was wiederum die ganze Zuhörerschaft als Teil der Show mitreisst und in selbstvergessene Ekstase versetzt. Dem Delirium werden den auch keine Grenzen gesetzt. Ausser Rand & Band wird getobt und transpiriert, als seis die letzte Nacht im Garten E(r)den, als gäbe es kein Morgen. Nimmermehrleinstanz. Heiterkeit und Melancholie zwischen Trash, Wodka und anderen Räuschen. Ende ungewiss.

Matthias Honegger (Bass & Klarinette), Dominic Damonte (Schlagzeug), Baptiste Beleffi (Keyboards) und Luca Ramella (für einmal Ukulele) spielten jahrelang in der HipHop-Formation Vizioso, die zwei Letztgenannten gar mit den nicht gänzlich unbekannten Jazzern Harald Haerter und Erik Truffaz in der Haerter-Truffaz-Unit. Luca Ramella kennt man als hochdekorierten Lokal-Drummer von Bands wie Lauschangriff, Waldorf oder Adrian Weyermann. Mario Scarton schliesslich sorgt für die unverkennbar östlichen Klangfarben des Akkordeons. Und die Besoffenen schmeissen wüst grölend, rülpsend & flatulierend die Wodkagläser an die Wand. Und die Weiber werfen ihre köstlichen Weichteile ungezügelt in alle Richtungen unserer Balkan-Express-Insel für einmal an der rüdigblauen Missiwolgassississihl. Nasdrovje, bog & tschau zäme! Forever.

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el Lokal