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Feins z'Mittag vom 15. - 19. April
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Montag, 25.03.2024, 20Uhr20
Lokalbühne
Johnny Dowd (US)
U-80, urchig, archaisch, intensiv, authentisch: Johnny Dowd (*1948) trinkt gern Whisky & singt wie ein Serienkiller, der in einem Staubsauger gefangen ist.

Der frühere Möbelpacker & Vietnamveteran war immerhin mal zwei Wochen lang verheiratet. Dowd lässt die Gitarren heute noch wuchtig krachen, zusammen mit funky Orgeln & trieb-schepperndem Schlagzeug, als hinge sein Leben davon ab. Das tut es auch. Tarantino-Country für die einen, Lynch-Gothic für die anderen. Der Schmerz ist spürbar, Religion ist Thema, aber nur schwer rollstuhlgängig oder auf freigeschabten Kniescheiben über Rollsplit zur Heiligen Bernadette & ihren Marienerscheinungen in Lourdes rutschend. Punk liegt in der Luft, ein Hauch Fiesheit. «Schaut euch diesen Kerl an, wenn ihr euch traut,» lautet 1999 die letzte Zeile eines Profils mit dem Titel «Johnny Dowd Slithers Onto Music Scene». Die Schlüsselwörter «schlittern» & «trauen» treffen Dowds musikalisches Wirken ziemlich tupfgenau. In der Tradition von Tom Waits oder dem Barfly-Dichter Charles Bukowski schleicht er sich in dunkle Hinterhöfe, auf schräge Veranden oder eine dunkle Bar am Ende der Strasse. Und er besingt, was er antrifft. Direkt & unverblümt. Der erst mit 40gi in die Musik Geschlitterte sagt noch heute: «Ich wollte nie Songwriter sein.» Scheiss drauf, er fing trotzdem damit an, Songs zu schreiben. Seit 1995 ist Dowd solo unterwegs, veröffentlicht als erstes «Wrong Side of Memphis» im Eigenverlag. Songs wie «Murder» & «John Deere» handeln schon Dowd-typisch vom tragisch-traurigen Leben im Viertweltland Amerika. Mit 50 folgt das zweite Album «Pictures from Life's Other Side». Die New York Times schreibt dazu: «Wenn Willie Nelson sich in Mr. Hyde verwandeln würde, dann wäre er Johnny Dowd. Hinterwäldlerische Gothic-Geschichten über Liebe, Tod und einen perversen Gott kommen mit einem Twang und einem Schrottplatzgeklapper an, die nach Lachern streben, die unbehaglich werden.» Zynismus wird Ironie & Jim Morrison zum unbekannten Soldaten auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris. Irgendwann nennt man das Kult, Brian Wilson & Jim White können nicht irren. Und wir Inselbewohner:innen haben JD ja längst die Unsterblichkeit der el Lokal Hall of Fame verliehen. «Das ist das Album, das ich seit langem mal machen wollte», sagt Dowd zu «Wake Up The Snakes» (2010) & führt uns souverän zurück in die Zeit, als Soul-Musik auf Garage-Rock traf. Verzerrte Bässe, Farfisa-Orgel & tonnenweise «My baby left me»-Texte. Mit «That's Your Wife on the Back of My Horse» (2015) scheint er sich unter die anderer-Leute-Frauen-Abzügler gemischt zu haben. Immer mal was Neues für den umtriebigen Texaner & Altmeister des Absurden, der seit seinem Erstling die entlegensten Pfade zwischen Country, Soul, Blues & Rock’n’Roll für sich & uns neu entdeckt hat. Jeder Song baut eine eigene Welt auf, in deren Mittelpunkt seine gefühlvolle, schiefe Stimme steht. Und dieser Weltenbau ist am vollständigsten im 19ten Studioalbum «Is Heaven Real? (How Would I Know?)» vom letzten Jahr. Neben seinen langjährigen Bandkolleg:innen, Drummer Jif Dowd (seine Schwester) & Gitarrist Mike Edmondson, taucht halb Memphis drauf auf, ua. das begnadete Ehepaar Will Sexton (Co-Produzent, Gitarre) & Amy LaVere (Bass, Gesang). Es ist eine Art Rückbesinnung auf Johnnys Jugend in den Südstaaten, aber auch auf den fesselnden Soul & R&B, der ihn in jenen Jahren in Bann zieht. «Crow's in my brain he's going caw caw caw / In crow language that means ha ha ha  / Having a laugh at my expense / Why couldn't I be that crow, instead of being me?» Dowds «Jetzt oder nie»-Gefühl beflügelt seine gesamte Kunst & lässt ihn immer wieder zu seinem Handwerk zurückkehren. «Ich würde es nicht Inspiration nennen», sagt er darüber, was ihn antreibt. «Ich nenne es einfach Transpiration. Als Musiker hat man eine Session zu absolvieren. Die Melodie wird eingezählt und los gehts. Du wartest nicht darauf.» Also, let's go, it's fucking Rock'n'Roll: One-two-three-four!

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