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Samstag, 09.03.2024, 20Uhr20
Lokalbühne
Kety Fusco (CH)
Kety Fusco – die amtierende Queen of the Electric Harp – revolutioniert nicht nur die Harfen-Welt! «Verzupft euch, alte Meister!» titelt die Zeit. Auch Punklegende Iggy Pop feiere ihre Musik.
Aufgewachsen in Pisa, lebt Kety Fusco heute im Bündner Bergdorf San Bernadino. Die als Sechsjährige schon hyperaktive, karatierende Kety schlägt einer Gleichaltrigen einige Zähne raus. Fertig Kampfsport, ab zur Psychologin. Diese empfiehlt das Lernen eines Instruments. Klein Kety widerspenstet. Noch. Dann betören sie im italienischen Lucca mysteriöse Harfenklänge. Es ist Beginn einer neuen grossen Liebe. Seither sind die beiden einander treu. Ein Harfenherz & eine Harfenseele. Aber auch das Bedrohliche des Anfangs schwingt immer noch in ihrer Musik mit. Der Drang, sich nicht anpassen zu wollen. So sagt die ausgebildete Harfenistin zur Orchesterarbeit: «Als Harfenistin wartest du das halbe Stück auf deinen Einsatz, um dann kurz ein Glissando spielen zu dürfen. Für meine Hyperaktivität war das der Horror.» Zwei Jahre nach ihrem Abschluss als Master of Arts in Music Performance veröffentlicht sie ihr erstes Album «Dazed» beim Label Sugar Music von Caterina Caselli & wirdfür drei Kategorien des letzten Swiss LiveTalents Awards (CH) nominiert. Und sie präsentiert ihre Kompositionen im Saal des Bundesparlaments in Bern. Alle Klänge werden von einer 80 Kilo schweren, klassischen Holzharfe, einer E-Harfe aus Karbon & Kety Fuscos elektronischer Live-Manipulation erzeugt. «Auf diesem Album singt meine Harfe in jeder Komposition die Hauptstimme und erzählt eine musikalische Geschichte, angereichert mit heftiger, meist digitaler Elektronik.» Im Sommer 2022 eröffnet sie die Frankreich-Tournee von Agnes Obel. Ein weiterer Höhepunkt ist die Einladung der Vereinten Nationen zum SDG Global Festival of Action, wo sie die Bühne praktisch mit Patti Smith & Ben Harper teilt. Derzeit setzt Kety Fusco ihre Klangforschung fort. Sie hat einen Horror-Soundtrack ausschliesslich aus Harfenklängen veröffentlicht, die sie in einer persönlichen digitalen Datenbank mit dem Namen «Beyond The Harp» gesammelt hat. Fusco traktiert ihr Instrument mit allen möglichen Gegenständen: Gabeln, Messern, Scheren, Klebstreifen, Schallplatten. Sie hämmert am Harfensteg, um dem Instrument neue Töne zu entlocken. Für Fuscos Seelenleben ist ihr selbst auferlegtes musikalisches Programm ein Segen: «Wenn du hyperaktiv bist, brauchst du ständig neue Stimuli, sonst drehst du durch.» Das aktuelle Album heisst «The Harp, Chapter I»: Mit den Materialien, aus denen eine klassische Harfe besteht (Holz, Metall, Darm), erzeugt Kety Fusco Klänge & Atmosphären, manipuliert den Sound mit elektronischen Pedalen, kratzt & zerstört den Bogen auf den tiefen Saiten der Harfe, schreit ins Innere des Klangkörpers. Noch immer verwendet sie den Sample als beim Traktieren mit der Schere eine Saite riss. Fusco will die gängige Vorstellung vom engelsgleichen Rosawolkenharfenklang zertrümmern. «In Wirklichkeit macht die Harfe auch monströse, laute Töne. Zumindest, wenn ich sie spiele.» Kety Fusco, die Teufelsharfenistin, die Harfen-Paganini. «The Harp» umfasst drei Kapitel, die in den nächsten drei Jahren auf Vinyl erscheinen & live im (ausverkauften) Elgar Room der Royal Albert Hall in London aufgeführt werden. In Paris zeigt sich eine alte Dame erfreut, Kety Fusco vor dem Ableben noch gehört zu haben. Es sei die Erfahrung einer Reise, sagt diese dazu, einer Reise, die damit beginnt, «dass Rosshaar über die Saiten der Harfe reibt, und für den Moment damit endet, dass ein Vibrator gegen den Resonanzboden der Harfe schlägt und Bordungeräusche und kontroverse Klänge erzeugt unaufhörliches Kreischen im Resonanzkörper». Und so gibt die Queen of the Electric Harp also eine Audienz in unseren unroyalen Weltmusikhallen an der quirlig schillernden Mississihl. Good Save the Queen of the Electric Harp and her magic mystery thrill.
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