...The Hall Of Fame

unvergessene Nächte ........

2010 - 1. Halbjahr   2010 - 2. Halbjahr
zero9 - 1. Halbjahr   zero9 - 2. Halbjahr
null8 - 1. Halbjahr   null8 - 2. Halbjahr
007 - 1. Halbjahr     007 - 2. Halbjahr
   
 

...combat cajun 

Mittwoch, 30. Juni 2010, 21Uhr21

MAMA ROSIN'S FRÈRES SOUCHET


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«Petit duo de blues centenaire et de worker songs. Des instruments toujours mal joués mais rendus délicats par le manque de pratique de leur propriétaire, Robin et Cyril s'extraie du rythme agité de leur Trio pour, en duo, tenter de faire chavirer les cœurs et les âmes avec leur Blues d'écosse ou de Trinidad et leurs ballades d'Afrique du Sud.»

   
 

...rasselbande 

Samstag, 12. Juni 2010,
nach dem Spiel England / USA


SUMMIT


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Summit ist eine Rasselbande von ernsthaften Zürcher Teens. Der Name der Band könnte Berggipfel oder Weltbanktreffen heissen - oder auch nur: Summ mit! Wer da mitsummen oder durchklatschen will, muss gut ausgeschlafen sein. Der erste Song tritt mit einem Rotzriff mehrere Türen ein, dann beschleunigt ein Ska-Refrain, dann fallen wir in süsse Melancholie, Drummer Julian zieht wieder an und die Schaltstelle, wo’s definitiv wieder kracht, wird mit einer aufsteigenden Lap Steel Guitar-Kurve eingedröhnt. Ein Liebeslied namens «Mein Garten».
Der einzige Song ohne Ich ist eine Beobachtung namens «Heimatlos». «Wer ist der Typ der hier am Boden liegt?» Und schon ist da eine Geschichte, die erzählt werden will. Die Auflösung ist filmisch, ein Schnitt und der Heimatlose liegt am Strand. Chor: «Und die See ist tief, und die See ist gross - sie macht die Matrosen heimatlos.»
In vier von fünf Liedern der neuen EP gehts um das Erdbeben der ersten Liebe. Reale, verlorene und wiederhergeträumte Liebe in vier Schattierungen und - na klar - voll in Moll. Summit sind heute eine zusammengewachsene Band. Wenn einer fehlt, fehlt er dringend. Gesungen wird Deutschdeutsch. Das R ist das einzige, was in dieser Band nicht rollt.

   
 

...geheimnisvoll & wundeschön 

Montag, 7. Juni 2010, 20Uhr20
Eintritt 20.--

PAUL UBANA JONES

JOSEPH PARSONS

paulubanajones.com
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josephparsons.com
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Wo Blues, Folk, Pop, Jazz und African Roots Music sich treffen, da ist Paul Ubana Jones zuhause. Dieser aussergewöhnliche, grossartige Gitarrist, dieser expressive Sänger mit der unglaublichen Stimme wurde in London geboren. Mutter Engländerin, Vater Nigerianer. Als 11-jähriger beginnt er mit der Gitarre, studiert dann auf diesem Instrument, dazu auch noch Cello. Danach entwickelt er seinen ureigenen Stil aus obgenannten Ingredienzen. Ende der 70-er zieht Paul in die Provence – auch in der Schweiz hat er kurz gelebt – und tourt durch Europa und Nordafrika; später folgen USA und Kanada. Ende der 80-er zieht er mit Kind und Kegel nach Neuseeland, wo die Familie bis heute lebt.

Er konzertiert nun seit mehr als drei Jahrzehnten rund um den Globus. Unterdessen sind sechs Alben in der Welt. Der Jimi Hendrix der Akustik-Gitarre spielte mit Patti Smith, Bob Dylan, Ben Harper und Keb Mo und hinterlässt immer ein begeistertes Publikum. So wunderbar kann Gesellschaftskritik klingen, in Deutsch, Englisch und Französisch. Dieser Meister seines Fachs ist wahrscheinlich vom Himmel gefallen. Ein ganz Grosser. Ein Hootchie Coochie Man, der auch «House Of The Rising Sun» hinreissend neu interpretieren kann. «Wenn mein Name nicht berühmt wird, so macht das nichts. Ich berühre viele Menschen mit meiner Musik und das ist die Hauptsache», sagt Paul Ubana Jones, der unsere Insel in einen geheimnisvollen Ort verwandeln wird an diesem Abend – geheimnisvoll und wunderschön wie das Lächeln der Mona Lisa. Mit dem Unterschied, dass er quicklebendig ist, nahbar und tief in die Herzen seines Publikums dringt, während Mona Lisa hinter musealem Panzerglas im Dauerblitzen der Banausen einsam, millionenschwer, verloren und unverstanden vor sich hin modert.

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«Meine Musik ist eine Suche nach Erleuchtung - Erleuchtung durch das Erkunden von tragischer, betrügerischer und selbstmörderischer Liebe»
Joseph Parsons in ME/SOUNDS

Ob als Solist oder als Mitglied der Gruppen Hardpan und 4 Way Street, der Singer/Songwriter Joseph Parsons präsentierte sich stets als ein innovativer Songschmied und ausdrucksstarker Künstler. Seine Songs, gespickt mit kleinen Alltagsgeschichten und tiefgründigen Texten, siedelte er im Spannungsfeld zwischen Folk, Country, Rock und Pop an und bediente damit hauptsächlich ein europäisches Publikum, das in ihm einen der herausragendsten Vertreter der stetig wachsenden Americana-Szene sah. Nach bald 10 Jahren wieder bei uns an der Sihl gelandet. Welcome.

   
 

...get on board 

Samstag, 29. Mai 2010, 21Uhr21
Eintritt 20.--

G. RAG Y LOS HERMANOS PATCHEKOS

gutfeeling.de
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Im zehnten Jahr ihres Bestehens veröffentlichen G. Rag y los Hermanos Patchekos ihr fünftes Album: «Hold Fast». Und der Titel ist Programm, daran holden sie fest: Denn die Hermanos sind wie eh und je künstlerisch eigenwillig, geschäftlich unabhängig und wirtschaftlich unsinnig. Und seit einem Jahrzehnt rauft sich das Dutzend Individualisten zusammen, um an ihrem Schrottplatz-Pop zu basteln, während Trends und Hypes wie glühende Golfbälle in Lichtgeschwindigkeit an ihnen vorbeischrammen.

Lieber selbst was Neues ausprobieren und anstossen, lautet die Parole: Zum Beispiel mit den Landlergschwistern mal eben bayerische Volksmusik hipsterkompalisieren. Oder mit den Dos Hermanos in der virilen One- & Two-Man-Band-Szene mitmischen. Das bringt viel Spass, neue Freunde und Eindrücke, derer es unzählige zu hören gibt auf «Hold Fast». Ein Album, das – wie das Cover-Schiff der Künstlerin Lilli Flux – tatsächlich auf den Wellen tanzt. Ganz ohne Seekrankgekotze, aber mit korkengleicher Leichtigkeit.

Aber jetzt mal ohne Schmäh und zur Musik: G. Rag y los Hermanos Patchekos greifen auf «Hold Fast» – wahrscheinlich ganz unbewusst – die schönsten Momente ihrer vergangenen Alben auf: Den rauen Charme und die Unbeschwertheit von «Radio Tijuana», die Vielseitigkeit von «O321H», die emotionale Tiefe von «Cadeau Bizarre» und die überschäumende Lebensfreude von «Lucky Goddamn». Ein Best-of-Album mit neuen Stücken.

Und weil das Gros des Albums live im Studio eingespielt wurde, kommen wir beinahe in den Genuss einer Patcheko-Best-of-Live-Show. G. Rag y los Hermanos hauen in die Vollen, beispielsweise mit der obligatorischen Hank-Williams-Coverversion («Cold, Cold Heart») oder der

Besinnung auf die eigenen Wurzeln in der DIY-Hardcore-Szene (wird mit Covers von Black Flag, Big Boys & NoMeansNo gleich dreimal ausgelebt), bringen aber wie gewohnt auch Neues: Eine entfesselte Leidenschaft für Swampmusic («Cajun Maid», «J`ai tardé» und «le massacre du Melodica») und Balkanblasmusik («Swing Vergol»). Und so fliegt der Sau nicht nur das Blech weg, sondern die urige Bayernbande widerbürstet eure wildwuchernden Nasenhärchen ganz patchekisch mit und gegen den Strich. Garantido multiplicado!

   
 

...wüsten-weltumarmungs-insel 

Mittwoch, 26. Mai 2010, 20Uhr20
Eintritt 35.--

TAMIKREST & DIRTMUSIC


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«BKO» ist die internationale Abkürzung für den Flugplatz von Bamako, der Haupstadt Malis. «BKO» ist aber auch der Titel des im April erscheinenden Albums der Rock’n’Roll-Veteranen Dirtmusic aus den USA und Australien, das im berühmten Bogolan Studio (erbaut von Ali Farka Touré) in Bamako aufgenommen wurde.

Die drei Dirtmusiker sind schon seit Urzeiten aktiv: Chris Eckman ist Gründer von The Walkabouts, arbeitete aber auch mit Willard Grant Conspiracy, Steve Wynn und vielen anderen; Chris Brokaw musizierte mit Evan Dando und seinen Lemonheads, Liz Phair und Thurston Moore; Hugo Race, True Spirit-Chef und Originalmitglied von Nick Cave’s The Bad Seeds. Dirtmusic’s Debütalbum wurde 2007 in Chris Eckman’s neuer Heimat Ljubljana/Slowenien aufgenommen und kam den Promotern des jährlich in Mali stattfindenden «Festival Au Desert» in die Lauscher. Schon waren Dirtmusic gebucht. «Ich verbrachte die drei Tage wie in Trance», erinnert sich Eckman. «Die Musik, die Menschen, die Umgebung – das war einfach überwältigend.»

Neben ihrem Zelt stand das der jungen Tuareg Wüsten-Blues-Rock-Band Tamikrest. Und die beiden Bands jammten dem Teufel dreitausend Ohren ab. Chris Eckman: «Am ersten Morgen in Essakane hörten wir schon beim Aufwachen Musik. Also nichts wie durch den Sand zum Zelt gegenüber, in dem Tamikrest spielten. Chris Brokaw schnappte sich seine Dobro, Hugo und ich die Gitarre. Und im Prinzip haben wir das Zelt die folgenden drei Tage nicht verlassen.» Und sonnenklar: Sowas durfte nicht im Sand verrieseln, sowas musste nach dem Wüstenfest eine Fortsetzung finden.

Ein Jahr später landete Dirtmusic erneut in Mali, um das eingangs erwähnte BKO-Album einzuspielen. Tamikrest waren im Studio dabei. Man kommunizierte in einer Mischung aus Englisch, Französisch und Tamashek (Touareg-Sprache), aber die eigentliche Sprache war die Musik: traditionelle Songs, Dirtmusic-Songs, Tamikrest-Songs, alles floss zusammen. Als Bokarow die ersten Takte von Velvet Underground’s «All Tomorrow’s Parties» spielte, zögerten die Tamikrest-Musiker keine Sekunde, als wären sie mit dem legendären Bananen-Album aufgewachsen. Alles total natürlich und hinreissend. So singt Tamikrest-Gitarrist Ousmane Ag Mossa in «Black Gravity» spontan in Tamashek und baut damit seinen eigenen Song Imidiwan (Freunde) quasi als Geschenk in den von Chris Eckman geschriebenen ein. Und es waren noch andere grosse Musiker Malis im Studio: Fadimata Walet Oumar von Tartit, zwei Musiker von Toumani Diabatés Symmetric Orchestra sowie die Gitarrenlegende Lobi Traoré.

Kurz nach den BKO-Sessions produzierte Eckman in Mali das Tamikrest-Debütalbum
«
Adagh». «Sie sind eindeutig die Zukunft der Tamasheq-Musik!», sagt der langjährige Tinariwen-Manager Andy Morgan über Tamikrest, die geistigen Söhne der weltberühmten Altmeister. Ihre intensiven, hypnotischen Melodien hieven sowohl die Tradition des Tamasheq-Blues als auch des Rock auf ein neues Niveau.

Der Name Tamikrest heisst Bündnis/Verbindung/Knoten. Die sieben Mitglieder stammen aus Mali, Niger und Algerien und begannen in Kindal gemeinsam über den Ishumar-Rock der Tuareg-Rebellen ihre Identität zu finden. «Jeder von uns kam aus einem anderen Ort, einer anderen Region» erklärt Ousmane. «Cheikh und ich kamen aus Tinza. Aghaly und Mossa Maiga aus Kidal. Pino kam aus Gao. Aber wir haben uns gefunden und haben die gleichen Ideen, die gleichen Ziele. Wir sind wie ein Bündnis.» Tamikrest-Songs sind ebenso Protestsongs gegen die miserablen Lebensbedingungen der Tuareg wie ein Lob auf den für die Tuareg elementaren Lebensraum Wüste. Daran haben auch die verheerenden Dürren und Kriegszerrüttungen der jüngsten Vergangenheit nichts geändert: «Eine Wüste beherbergt uns, eine Sprache vereint uns, eine Kultur verbindet uns».

Im März 2007 traten Tamikrest beim Peace Forum auf, bei dem sich die Tuareg-Rebellen mit Malis Regierung und tausenden von Repräsentanten in Kidal trafen, um gemeinsam einen Weg für die Zukunft zu suchen. Mit ihrem neuen Sound wurden sie so die neue Band der Tuareg-Jugend, die neben Tamashek-Sound auch Rap, Metal, Maghrebi-Pop Afro-Disco von der Elfenbeinküste liebt.

«My God, all-seeing, // If your power is almighty, // Then help the Touareg man. /// Since his beginning, // He has lived in arid zones, // Rigorous, deserted // And without means. /// He looks at the ever-changing world, // That overtakes him, // And he is left behind // In his ignorance.» OUTAMACHEK vom Album «Adagh» (von Ousmane Ag Mossa, Übers. Andy Morgan)

Die Mission der Band steht für Ousmane felsenfest. «Die augenblickliche Situation der Tuareg ist sehr schwierig», erklärt er. «Noch bevor ich anfing, Gitarre zu spielen und Aufnahmen zu machen, hatte ich das Ziel, Anwalt und Vertreter meines Volkes zu sein. Ich wollte den Schmerz, den ich in meinem Herzen fühle, ausdrücken und über unsere Situation sprechen, wenn es sein muss vor den Vereinten Nationen. Erst später erkannte ich, dass ein Musiker sehr wohl auch diese Rolle übernehmen kann.» Und: «Es ist unsere Pflicht als Künstler, der Welt über diese Probleme zu berichten, Lieder zu singen über das Leben der Nomaden, über unsere Tradition und Kultur. Aber vor allem revolutionäre Lieder über das, was wir sehen und erleben, über unsere Regierung und wie sie unser Volk behandelt. Denn das alles macht für mich keinen Sinn.» Hier ist Tamikrest - der Knotenpunkt, das Bündnis, die Zukunft. Hier auf unserer friedlichen, revolutionären Weltumarmungsinsel.

   
 

...new american standard 

Montag, 24. Mai 2010, 20uhr20
Eintritt 20.--

DAYNA KURTZ

daynakurtz.com
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Welcome Back Dayna. Wie immer man das sehen möchte: Die neuen Songs von Dayna Kurtz bieten trotz des Namens keine amerikanischen Standards (also Songs aus dem klassischen Repertoire-Songbook), sondern durchaus eigenes, neues Material. Bei dem Titel handelt es sich wohl um ein Wortspiel, das wohl auch dem Rechnung trägt, dass Dayna immer schon Songs geschrieben hat, die sich durchaus anhören wie o.a. Standards. Allerdings hat sie dieses Mal - und besonders im Vergleich zu ihren letzten Scheiben - mächtig aufgerüstet. Sicher, es gibt immer noch Folk-, Jazz- und Blues-Balladen in bewährter Kurtz-Manier - aber vor allen Dingen sind es die Up-Tempo-Nummern, die aufhorchen lassen. Hier outet sich Danya als druckvolle Interpretin mit einer Mörder-Röhre und singt sich quasi die Seele aus dem Hals. Musikalisch gibt es originären 50s Pop, Dixieland Swing, Rockabilly und Old-Stile-Rock'n'Roll, eine Prise Blues, Soul und Gospel. Dazu spielt sie selbst eine schneidend scharfe Slide-Gitarre, covert Elliott Smith und die Replacements und lädt ihre neue Freundin Keren Ann (mit ihr und Shara Worden arbeitete Dana kürzlich zusammen an einem Projekt) zu einem Duett als «menschliche Hammond Orgel». Das ist also eine ganz neue Dayna Kurtz, die es hier zu entdecken gibt - auch für uns Dayna-Hardcorefans von der Lokalinsel. So lässt man sich lebendige Traditionspflege gerne gefallen. Wenn das der neue amerikanische Standard ist, dann nur her damit!

   
 

...nicht von dieser welt 

Samstag, 22. Mai 2010, nach dem Champions League Final
Eintritt 15.--

SCIENCE FICTION THEATER

 


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Kunst oder Kitsch: Das ist beim SciFi-Quintett um den Zürcher Saxofonisten Christoph Grab keine Frage, sondern Programm. Entweder-oder gibts nicht. Das volle Programm oder gar nichts. Die Taube auf dem Dach und den Spatz in der Hand (so ein doofes Sprichwort, gell!). Und die Crew des Science Fiction Theaters ist eindeutig nicht von dieser Welt und macht locker den zigfachen Spagat, ohne Hosen und Hoden zu gefährden. Zwischen alt und neu. Zwischen schön und schräg. Zwischen Lalo Schifrin und Nino Rota. Zwischen «Mission Impossible» und «The Godfather». Zwischen «Twin Peaks» und «La dolce vita». Zwischen «Once Upon A Time In The West» und «Shaft». Zwischen Bush und Blocher, Benedikt und Busenwunder. Mondsüchtig sind sie alle. Mondsüchtig und sternliguckerisch. Es groovet und blubbert. Scotti beamt uns alle auf die Enterprise und schon verschwinden wir im Wurmloch, um geläutert und verzückt in siebzehn Dimensionen durch das allerallerletzte All zur Ursuppengeburt zu schweben. Die Mannschaft versorgt uns unterwegs mit viel Gitarrentrash, Elektronikgeknurpse, Gefiepe, Stimmensamples, in grauer Urzeitgenossenzeit auf der Erde gesammelt.

Einsam heult Grabs intergalaktisches Horn zu molligen Soul Akkorden, die Bassklarinette wandert durch eine abgefuckte Barklamotte nebst eierndem Conga-Geklopfe, Synthiebotschaften von Major Tom. Die Krimi-, SciFi- und B-Movie-Zitate sind der akkustische Bodensatz, der neue Klangsphären gebiert. Dann und wann kracht eine Überraschung meteoritengleich vorbei und verglüht im gepflegt urbanen Twang. Keine Ahnung übrigens, was ein Twang ist, googelt doch selbst. Und dann und wann ein weisser Elefant. Ein goldener Apfel. Und eine zappaeske Miniatur. Just for fun. Urbane, vibrierende Groovemusik mit viel Dräck verwandelt unseren Tresen in die Kommandozentrale des Raumschiffs Inselprise und spickt uns «wägg vo hiä». Es gibt kein Zurück. Weder in die Zukunft noch in die Wirklichkeit.

   
 

...Drunkard's Masterpiece 

Mittwoch, 19. Mai 2010, 20Uhr20
Eintritt 25.--

JOHNNY DOWD

johnnydowd.com
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Johnny Dowd (*1948) trinkt gern Whiskey und singt wie «ein Serienkiller, der in einem Staubsauger gefangen ist.» (Mojo): über 60 Jahre jung, urchig, archaisch, intensiv, authentisch. Der frühere Möbelpacker und Vietnamveteran war zwei Wochen lang verheiratet und lässt die Gitarren noch immer krachen, zusammen mit funky Orgeln und trieb-schepperndem Schlagzeug. Tarantino-Country für die einen, Lynch-Gothic für die anderen. Der Schmerz ist spürbar, Religion ist Thema, aber nur schwer rollstuhlgängig oder auf freigeschabten Kniescheiben über Rollsplit zur Heiligen Bernadette in Lourdes rutschend. Punk liegt in der Luft, ein Hauch Fiesheit, Zynismus wird Ironie und Jim Morrison zum unbekannten Soldaten auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris.* Irgendwann nennt man das Kult, Brian Wilson und Jim White können nicht irren. Und wir Inselbewohner haben ihm ja längst die Unsterblichkeit der Hall of Fame el Lokal verliehen.

Sein siebtes Album «A Drunkard's Masterpiece» (2008) passt wie sein Vorgänger «Cruel Words» (2006) nur in eine Schublade: unberechenbar wie Johnny Dowd. Schon die Tracklist spricht Bände: «Opus I», «Opus II», «Opus III». Dazu lässt es sich Dowd nicht nehmen, die Titel mit kleinen Geschichten einzuleiten, während der Gesang – betörend und kühl zugleich –vornehmlich von Kim Sherwood-Caso übernommen wird. Von Alternative-Country bleibt da nicht viel übrig: Jazzrock trifft auf Samba, gleitet in fast verbotene Gitarrensoli ab, wird von der dominanten Schweineorgel übergrunzt und tänzelt wieder zurück zu südamerikanischen Rhythmen. Dann ist es wieder Zeit für Dowd, in breitester Texas-Mundart ein paar düstere Geschichten vom Stapel zu lassen. Ein Spoken-Word-Abend mit Mike Patton, Captain Beefheart und Booker T. könnte nicht spannender sein. Kult, wie wir wissen. Gott lebt und ist 61 Jahre jung.

*Übrigens: Chessex lesen, Der Vampir von Ropraz; der Unbekannte Soldat im Arc de Triomphe ist ein Schweizer. Wahrscheinlich der echte Sänger im Staubsauger.

   
 

...malagasy! 

Sonntag, 9. Mai 2010, 20Uhr20
Eintritt 20.--

NY MALAGASY ORKESTRA

nymalagasyorkestra.com

 

Fast 80 Prozent der madagassischen Tier- und Pflanzenarten kommen nur auf dieser östlich von Afrika gelegenen Insel vor, schreibt der Zoo Zürich zur Masoala-Regenwaldhalle. Und dass auf unserem ellokalen Kontinent an der Missisihl seit Jahren ebenso einmalige wie grossartige Entdeckungen zu machen sind, stimmt uns immer wieder glücklich: Es hat sich bis zur viertgrössten Insel bzw. dem zweitgrössten Inselstaat der Welt herumgesprochen. Und Madagaskar ist wie die unsere eine ganz aussergewöhnliche Musikinsel und beehrt uns mit ihrem phänomenalen Nationalorchester.

Ny Malagasy Orkestra vereint die musikalischsten Kreativköpfe Madagaskars. Jeder einzelne ein Publikumsmagnet und teilweise weit über die Grand Île hinaus berühmt. Zusammen ein musikalischen Weltwunder: Drei Viertel der 12 Mitglieder des Ny Malagasy Orkestra werden ihren facettenreichen Sound auf unseren ökologisch hoffentlich einwandfreien Brettern zelebrieren. Auf dass selbst steinerne Herzen wieder zu Fleisch-und-Blut-Pumpen werden. Und das Zucken geht nicht nur in die Beine, sondern in jede noch so steifgekrampfte Körperfaser. Vergesst Shiatsu und all das Bibäbeli-Zeugs, tanzt den Bal Poussière, den Staubball, so genannt, weil der wilde Tanz im Freien die Feiernden in eine Staubwolke hüllt, die sich erst wieder legt, wenn der letzte Ton in der Ferne des Horizonts verklungen ist. Und alles wird gut in Zureich und im hinterletzten Krachen dieses trümmligen Planeten: Freie Sicht aufs Mittelmeer und den Indischen Ozean.

Madagaskar zählt über 50 eigene Instrumente. Justin Vali (Justin Rakotondrasoa) spielt das madagassische Nationalinstrument Valiha (Bambusröhrenzitter) wie kein zweiter. Und er erkundet damit ganz neue Horizonte, die ihn mit dem WOMAD-Festival um die Welt führten und zu Aufnahmen mit Kate Bush und Peter Gabriel. Er erhielt 2006 in Frankreich den begehrten «Grand Prix Sacem». Tao Ravao war für viele Plattenproduktionen verantwortlich und lange mit Blues-Musikern in den Vereinigten Staaten auf Tournee, um dann wieder zu seinen Ursprüngen zurückzukehren. Remanidry spielt das traditionelle madagassische Instrument Lokanga, das mit Schafsdärmen oder Velobremskabeln besaitet ist. Seine Musik ist nach einer heilsbringenden spirituellen Figur benannt, Kokolampo, die in Madagaskar sehr verehrt und respektiert wird. Weitere Mitmusiker des Ny Malagasy Orkestra: Dieudonné Randriamanantena (Percussions); Abadallah Madi (Marovany); Chrysantho Vélomijoro Afaranjafy (Gitarre); Francis «Fafah» Rakotoson Andrianomanana (Jejo voatvao); Jean-Piso Rebily (Akkordeon); Maurice Razanakoto (Kabossy); Tiana Ramarokoto (Percussion); Jean-Donné Ramananerisoa (Akkordeon).

Die Bevölkerung des Inselstaates hat ihre Wurzeln in Afrika, Arabien, Indien, Ozeanien und Europa, was den einzigartigen, unverkennbaren Musikstil prägt. Ein Schmelztiegel der Stile, der Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte. Und das Ny Malagasy Orkestra spannt mit Leichtigkeit den Bogen von traditionellen Urklängen bis zu uns: sozial engagiert, trance-kultig, lebensfroh und magisch. Bunt gemischt wie Bevölkerung, Flora und Fauna kann diesen narkotischen Rhythmen, Klängen und Melodien kein noch so zwinglizwingzwang-nüchterner und steifhüftiger Herr Martin (nein, nicht der Luther) widerstehen. Also: Mandrapihaona! (Malagasy: bis bald!)

   
 

...bewildering, poisonous and intimate

Samstag, 8. Mai 2010, 21Uhr21
Eintritt 25.--

DEAD BROTHERS SWEET STRING ORCHESTRA

deadbrothers.com

 

 «Musik für mich am spannendsten, wenn sie sich um zentrale Momente des menschlichen Lebens dreht. Nun ja, der Tod ist wahrscheinlich ein solcher Moment.» Alain Croubalian, Musiker, Schauspieler, Ex-Maniac und allerallerletzter Toter Bruder der allerallerersten Stunde Null sagt das im Gartenstuhl und richtet den Blick in die zappendustere Nacht, wo mit tödlicher Sicherheit die Missisihl gen Rotterdam zuckelt. Und grinst wie Dirty Harry. Go ahead, make my day. Blam! Und schon bald wird er bei uns auf der allerallerletzten Insel sein mitgenommenes Megafon schneller als sein Schatten ziehen und uns entführen auf eine ewigwährensollende Zeiten- und Weltenreise ohne Ziel und – so der Teufel will – möglichst ohne Ende. Und wie schon so oft stranden wir als Robinsöhne und -töchter glücklich und alles andere denn einsam an unserer Inseltheke. Mit einem weiteren unvergesslichen und unwiederbringlichen Konzerterlebnis im Herzen, das die Arbeitsteilung unserer Grauzellen aufhebt und Fleischkäse und Lebenspumpe derart massiert und durchknetet, dass nur eins bleibt: Unendliches Glück für immer und ewig, in guten wie in schlechten Zeiten. Amen und heilanzack!

The Dead Brothers sind eine quicklebendige Begräbniskapelle, die dem Tod auf der Nase rumtanzt. Vier exzellente Alben seit 1995 (alle erhältlich bei Voodoo Rhythm Records) bezeugen, dass mit makabrem Vaudeville-Theater und Musik zwischen Punk, Chanson, Walzer und Gipsy ein eingeschworenes Publikum zu begeistern ist. Die toten Brüder wurden dabei nicht berühmt, aber dank ihrer künstlerischen Offenheit weit über die Landesgrenzen hinaus berüchtigt: Hier verschmelzen Musik, Geschichten, Theater, Improvisation und Provokation mit spielender Leichtigkeit. Legendär etwa die Horrorrevue «Day Of The Dead», welche sie mit der bezaubernden Eleni Mandell und dem Reverend Beat-Man an der Expo.02 aufführten.

2007 stiegen zwei Mitglieder der Dead Brothers-Kernformation aus, die Band drohte nach Veröffentlichung des Albums «Wunderkammer» einzugehen. Croubalian ergriff die Flucht nach vorne, erweiterte die Band zum Kollektiv und wandelte den Namen in Dead
Brothers Sweet String Orchestra. «Die Idee ist dieselbe, allein die Form ist etwas Neues.» Weg vom Rumpelorchester mit Blechtuba und Kanisterpauke hin zur gepflegten Streichmusik, eher Kammerorchester denn Mardi-Gras-Umzug. Der Blues bleibt, Croubalians grausame Balladen werden von den herzzerreissend schönen Klängen seiner Mitmusiker umgarnt. Die Dead Brothers suhlen sich geradezu im Blues und nehmen den Mund ziemlich voll:«In der Schweiz haben die Menschen nie den Blues gesungen. Sie hatten keinen Grund dazu.» Wir von der allerallerletzten Insel an der allerallerbläusten Missisihl wissen es besser und freuen uns auf die allerallerersten quicklebendigen Kammermusikblueser der Schweiz.

   
 

...der telemaster zückt
sein volles programm 

Montag, 26. April 2010, 20Uhr20
Eintritt 25.--

CHUCK PROPHET
& THE MISSION EXPRESS

chuckprophet.com
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Nach dem einen grossen Ex-Green-On-Redler Cacavas nun der zweite: Auf seinem jüngsten Album seziert unser nie genug erlebte Stammgast Chuck Prophet mit seiner legendenstrotzenden Squier Telecaster und spitzer Poetenzunge den mottenfrassmürben American Dream im friedensnobelpreiskriegendsten Viertweltland unserer gebeutelten Planetenspielhölle. Ein Erdbeben der Stärke 6,4, korrupte Bullen, Stromblackouts und mundnasenmaskierte Schweinegrippe liefern den Stoff zu seinen politisch unkorrekten Stories. Und zu allem wunderbaren Elend ein state of the art-Tonstudio obendrauf - allerdings von 1957.

Widrige Umstände können einen Chuck Prophet nicht beirren, geschweige denn umhauen. Im Gegenteil: Der alte Alchemist verwandelt Scheisse in Gold. Als er einst aus Versehen samt Band im Tonstudio in seiner Heimatstadt eingeschlossen wurde, liefen er und seine Jungs zu Höchstform auf und spielten mirnix-dirnix das formidable Cover-Album «Dreaming Waylon's Dream» ein. Auch das jüngste Werk «¡Let Freedom Ring!» sei in Mexico City nicht gerade unter rosigen Produktionsbedingungen in nur acht Tagen entstanden. Aber wenigstens in Freiheit, vermutlich. Um so schöner, herzerfrischender und ungehobelter räumt es in seiner kaleidoskopischen Bestandesaufnahme mit dem amerikanischen «My Way»-Traums auf. «A political album for non-political people», nennt das Prophet selbst.

Mexico City und sein legendäres Studio Estudio 19 mit Vintage Vibe befand sich dabei gewissermassen am anderen Ende des Teleskops, wo Prophet seine brandheissen, herzblutsaftenden Songs mit Musikern wie Ex-E-Street-Band-Drummer Ernest «Boom» Carter – ja, der von «Born to Run» – einspielte. Co-Produzent und Mitmusiker Greg Leisz sorgte schon bei Dave Alvin, Bill Frisell, Emmylou Harris, Joni Mitchell und Wilco für einmalige Steel-Guitar-Grundierungen. Und das Americana-Dream-Team hält im Gegensatz zum gottesfürchterlichen Obama-Land, was es verspricht. Schon das clashige Opening Riff in «Sonny Liston's Blues» kündigt an, was auch die weiteren zehn Songs prägt: Hier regieren die Gitarren. No excuse! Es bruzzelt und fuzzelt; es sperrt, plärrt und verzerrt; es rotzt und frotzelt; von zart bis dröhnend hart. Prophet, der Telemaster, zückt sein volles Programm, zieht alle Register. Unerhörte Melodien, die das Nervensystem besetzen. Und immer überraschend, obwohl es immer wieder klingt, als werde grad eines deiner Lieblinglieder gespielt. Und das alles serviert mit dem wunderbarsten lakonischen Gesang dieses Erdentellers: «I am a man of few words, baby // I think by now you've heard them all.»

Umso erfreulicher, dass der nicht ganz so wortlose Musiker, der sich nach Grün-Auf-Rot vor rund 20 Jahren zu einer nach wie vor viel zu wenig beachteten Solo-Karriere aufgemacht hat, auch wieder den Weg zu zu uns nach Zurigo Isola findet. Denn live ist er schlicht und einfach einer der Allergrössten. Er kommt mit seiner Begleit-Band The Missions Express, zu der auch Ehefrau Stephanie Finch zählt. «¡Let Freedom Ring!»: Don't you dare miss it!

   
 

...Paz, Amor, y Musica Latina! 

Samstag, 24. April 2010, 21Uhr21
Eintritt 28.--

DEL CASTILLO

delcastillomusic.com
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Del Castillo entstand als familiäres CD-Projekt im Winter 2000 und die Band steht inzwischen durch ihre knisternde Mischung aus Flamenco, Rock, Latin, Blues und World Musik für  die kulturübergreifende Kraft der Musik. Zwischen ihrer ersten CD «Brothers of  the Castle» (2001) und «Brotherhood» (2006) hat Del Castillo eine erstaunliche Anzahl an imposanten Auszeichnungen eingesammelt. Der Rolling Stone nennt die Band «tumbling brilliance on nylon-string classical guitars with eruptions of technique and taste (that) conjure images of Eddie Van Halen fronting early Santana (with an assist from the Gipsy Kings).» Nicht schlecht, oder?

Ihre Freundschaft mit Kultfilmer Robert Rodriguez ist ja inzwischen schon oft genug besungen worden. Jedenfalls lieferte Del Castillo Songs für die Soundtracks von «Spy Kids 3D», «Once Upon a Time in Mexico», «Sin City» und «Grindhouse». Samt Live-Show an den Premieren. Und Rodrigez ging mit ihnen ins Studio um als Chingon den mexikanischen Klassiker «Malaguena Selerosa» wundersam zu elektrifizieren. Darauf wiederum musste Tarantino den Schluss von «Kill Bill Vol. II» noch einmal aufnehmen, weil er den Song unbedingt drin haben wollte. Bis 2004 tourten Del Castillo durchs Land und spielten mit so unterschiedlichen Künstlern wie Styx, Los Lonely Boys, Ozomatli, Don Henley, Los Lobos und Willie Nelson, der übrigens ein guter Freund der Band wurde. Seinen bekannten Song «I Never Cared For You» nahm er mit Del Castillo noch einmal auf. Es wurde sein Lieblingsversion.

Mit ihrem vierten Album «Del Castillo» (2009) werden sie einen ihren legendären Live-Acts auf unsere Bretter legen. Und die Seismographen der ETH werden ellokal ein herzerschütterndes Erdbeben der Stärke 8-10 verzeichnen. Der Graureiher wird danach nach Austin, Texas auswandern, weil er’s da einfach hotter findet, lebenslustiger. Hundertpro.

   
 

...bouzouki playing electro-
psych-folk freakazoid 

Montag, 19. April 2010, 20Uhr20
Eintritt 15.--

PETER NEVINS

peternevins.com
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Peter Nevins (*1968) ist ein Singer/Songwriter aus NYC, San Francisco und Montreal: «When people ask me where I'm from, I don't know what to say anymore.» Nevins gestaltet unter der Bezeichnung ‚Illustrator to the Entertainment Trade’ auch wunderbare Covers (Anaïs Mitchell) und auch Fonts sind von ihm zu erwerben. Ist also nicht ganz einfach zu beschreiben, was euch erwartet. Denn der Typ lebt gleichzeitig in vergangenen Jahrhunderten, kam zur Welt, bevor er geboren wurde und lebt 1908, 1966 und tatsächlich auch in der Gegenwart. Und wahrscheinlich auch noch 2055. Wenn wir denn den falsch berechneten Maya-Showdown überleben sollten, – was meinsch, Uriella? – werden wir ihn hienieden wiedersehen. Auf seinem Facebook-Profil steht geschrieben, von wem auch immer: «My own guess is that if you taught a very impressionable 17th century troubadour all about Syd Barrett, Donovan, Stephin Merritt, and the Lower East Side as it is today, he would most likely end up sounding something like this inimitable man.» Und zu alledem performt Nevins seine supermelodiösen 3-Minuten-Folk-Psychedelic-Rock-Dandytum-Songs (mit einer Prise Americana) auf einer 8-Saiten-Bouzouki. Braucht etwas Vorstellungskraft, klingt aber echt spannend, inspiriert, bunt, ehrlich, gefühlstrunken und extrem charismatisch. Der Paradiesvogel von eines trunkenen Urgottes Gnaden gibt Captain Beefheart, The Bothy Band, Hamish Imlach, Robin Williamson, Alexander Pope, William Blake, Doc Watson als Künstler an, die er mag. Bei all diesem Tun ist es wohl nicht verwunderlich, dass die Discografie gerade mal aus zwei irritierend kurzen Werken besteht: «I May Be Going Down In Flames (But At Least I'm On Fire)» (3 Songs, 9 Min. Laufzeit; Vocals, Bouzouki, Upright Bass, Piano, Percussion, Glockenspiel, Electric Guitar, Melodica) und «Take That, Vile Scum!», (10 Songs, knapp 25 Min.; Vocals, Bouzouki, Electric bass, Drums, Violin, 'Treated' Melodica, Electric Guitar, Lap Steel Guitar, Harmony Vocals). In der Kürze liegt das Oho.

Das Video «Boating in Central Park» auf diesen Elendsportalen, um die man – der Teufel hat’s immer gewusst – nicht mehr herumkommt, gell Philippe Fingerpoke, zeigt Nevins unrasierte, bootsschwankende Weitwinkelvisage mit Strohhut. Verfolgt von einer unsichtbaren, menschgesummten Singfliege, versucht er genervt auszusehen, verfolgt das Vieh mit den Augen. Schnapp! Mit der Hand knapp verfehlt. Gesumme. Schnapp! Erwischt, in den Mund gesteckt und geschluckt. Kurz verstummt das Gesumme, um sofort wieder loszugehen. The End. In «a MUD morning with the hokey philosopher» nimmt er uns auf nüchternen Magen und ungeschnitten mit zum Kaffeetrinken. Und wenn er nicht mehr dort sitzt und philosophiert, so wird er mit uns auf dem nächsten Wackelvideo wohl zu seinem Konzert gehen, hier bei uns im Jahre 2010 nach Jewiesüss. Der Junge ist eine Jahrhundertreise an die Ufer des Sihl-Hudson-Rivers wert, jawohl! – Auch wenn wir nicht mehr wissen, wo wir sind.

   
 

...tucson-habana 

Samstag, 17. April 2010, 21Uhr21
BÜHNE A Eintritt 35.--

AMPARO SÀNCHEZ

23Uhr23 Lokalbühne
Eintritt 5.--

SCOTT H. BIRAM
DJ ROCK GITANO (BALKANEKSPRESS)

TICKETS GIBTS AM LOKALEN TRESEN ODER ÜBER VORVERKAUF THEATER DER KÜNSTE:
MUSIK HUG (LIMMATQUAI)
JECKLIN MUSIKHAUS (RÄMISTRASSE)
MIGROS CITY (LÖWENSTRASSE)
ODER JELMOLI CITY
ABENDKASSE BÜHNE A: 19UHR00

 

amparosanchez.info
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scottbiram.com
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Amparo Sánchez ist eine der wichtigsten Stimmen Spaniens und als solche weltweit bekannt. Mit ihrer Band Amparanoia spielte Amparo Sánchez auf fast allen wichtigen Festivals weltweit, von Roskilde bis zum Rock Festival Buenos Aires, von Jazzfestivals in Lugano, Mexiko oder Montreal bis hin zu fast allen wichtigen Weltmusikfestivals. Gleichzeitig hat Amparo Sánchez an etlichen Solidaritätsaktionen teilgenommen und ist bekannt für ihre musikalischen Kooperationen: von Calexico bis Manu Chao. Amparo Sánchez hat 2005 den «BBC World Music Award» als «beste europäische Band» erhalten. Im letzten Jahr hat Amparo Sánchez ihre Band Amparanoia nach zwölf intensiven Jahren aufgelöst. Sie wollte sich musikalisch weiterentwickeln, natürlich ohne ihre Wurzeln preiszugeben. Aber seit langem beschäftigte sich Amparo Sánchez mit neuen Songs, für deren Umsetzung ihr das alte Bandgerüst zu starr erschien. Während einer Zusammenarbeit für das kanadische Fernsehen in Montreal mit Calexico hörte Joey Burns 2006 Amparos neue Songs und war begeistert von der Intensität des Materials, von der Seele der Stücke. So lud Burns Amparo Sánchez ein, ihr Album in den WAVELAB Studios in Tucson einzuspielen, der musikalischen Studioheimat von Calexico. Und so wurde der erste Teil des neuen Materials 2007 in Tucson aufgenommen, mit Joey Burns (Gitarre) und John Convertino (Schlagzeug) of Calexico fame. Das Abenteuer begann… 2009 begab sich das Team (also Amparo Sánchez, ihre Bandmitglieder und Burns und Convertino von Calexico) nach Kuba und spielte im mythischen EGREM-Studio in Havanna weitere Songs des neuen Albums ein. Die berühmte kubanische Sängerin Omara Portuendo gesellte sich zu den Musikern ins Studio und nahm mit Amparo Sánchez das Duett «Parrandita de las Santas» auf, sicher ein Highlight des neuen Albums. Sie spielten auch zwei gemeinsame Konzerte in Kuba. Anfang 2010 wird nun das Album erscheinen. Es trägt den Titel «Tucson-Habana», gemäß den Orten, wo es entstand, aber auch als Hinweis auf den musikalischen Geist des Albums, auf die Sprache der Musik. Arizona und Kuba, Mariachi, Bolero, Son und Country, sehr originell und ganz eigen, und natürlich jede Menge Spanien. Nicht «Americana», sondern gleich ein ganz neues Genre hat Amparo Sánchez mit ihren famosen musikalischen Weggefährten da begründet und entwickelt: «Americubana»! Sicherlich ist «Tucson-Habana» eines der besten Alben in Amparo Sánchez Karriere. Es dürfte aber auch eines der einflussreichsten und prägenden Alben des Jahres 2010 werden – Amparo Sánchez entführt uns in die Wüste Arizonas (sounds familiar? ja, manche Songs des Albums klingen wie neue, ungehörte, ja: unERhörte Stücke von Calexico! schon wahr…), und gleichzeitig in die vibrierene Atmosphäre der Karibik. Vergeßt die Schubladen – der «Americubana» von Amparo Sánchez und ihren hochkarätigen musikalischen Weggefährten ist so «Weltmusik» wie «Songwriting» wie «Pop» wie «Mainstream» wie «Son» wie alles davon gleichzeitig, und wie nichts davon. Eben etwas ganz Eigenes. Nichts weniger als ein Meisterwerk.

Die «Dirty Old One Man Band» aus Austin, Texas, knallt einem ihren wild aufgedrehten Delta Blues prall mitten hinein ins Alltagsgesicht, und schon sind wir wieder geerdet, voll da, bereit mit Scott H. Biram auf eine Reise zu gehen, die ebenso Country-Staub vor verdrückten Tränen rettet, wie unsere Missisihl in ein schwermetallisches Sandmeer verwandelt. Und das ist keine Fata Morgana, bei der wir diesen Trip gebucht haben, sondern live und wahrhaftig ein einzigartiger Typ mit 59er Gibson, Maultrommel und Effektgerät. Birams brackwassergeflutete Stimme ist verschlagen genug, dem Teufel zu zeigen, wo Bartli den Most holt, und sein Boogie so hip und unwiderstehlich, dass selbst Paparazzis CEO auf einen Drink aus dem Himmelszelt herunterkommt. Roher, unbehauener Country-Rock, mit Gospel- und Blues-Anklängen. Songs mit dylanesker Qualität. Wer dem späten Johnny Cash nachtrauert, wird hier fündig. Nur ganz anders, ganz Biram.

Auf «Something´s Wrong / Lost Forever», seinem sechsten Studioalbum, hat Biram fast alle Songs selbst gespielt und produziert, ausser «I Feel So Good», das von dem Bluespunkduo Black Diamond Heavies stammt, sowie Leadbellys «Go Down Ol’Hannah». Die LP-Version enthält einen Download-Code für das Album und für Bonus-Tracks.

Man sagt, der Rock ’n’ Roll käme vom Blues der rechten Hand und dem Country der linken. Wenn das so ist, dann ist Scott H. Biram der mittlere Finger von beiden. Und den zeigt er euch auf dem Eiland aller Eilande bestimmt, aber im Sinne von: Schön, dass ihr hier seid, ich bin es auch. Und da kann er von Glück reden, denn das dreckige, alte Einmannorchester überlebte im April 2003 nur knapp einen Unfall, bei dem ein Truck mit hundert Sachen in seinen Pickup raste: «Der Truck hat die Scheiben um mich herum zerbrochen, da war nur noch ein grosses Loch. Auf den Bildern sieht man einen einzigen Haufen Metall, aus dem der Fahrersitz rausragt. Und irgendwo da drin war ich, mit einem Knochen, der hier aus meinem Bein rausschaute, dieser Fuss war zusammengeklappt, das Knie dreifach gebrochen. Aus dem Arm kam auch ein Knochen raus. Ich hatte innere Blutungen, weil mein Darm gerissen war. Anderthalb Wochen später, nachdem sie mir überall Eisenplatten eingesetzt hatten, spielte ich schon wieder Gitarre auf meinem Krankenbett. Und einen Monat später war ich dabei, die Clubs anzurufen, um mich für die abgebrochene Tour zu entschuldigen und eine Neue zu organisieren. ... Ich habe ständige Schmerzen, dadurch kommt mein Blues jetzt noch besser rüber. Ich liebe die Knastmusik, die Songs der Zwangsarbeiter, weil keine andere Musik so sehr vom Herzen kommt. Das liegt daran, dass sie es ist, die den Häftlingen das Leben erträglich macht. Sie singen mit dem Herzen. Und so geht es mir auch, die Musik hilft auch mir durchs Leben zu kommen, deshalb singe ich mit dem Herzen. Verdammt, da kommen mir fast die Tränen.» See you, ol’ bastard. Sniff!

   
 

...stich ins Herz

Montag, 12. April 2010, 20Uhr20
Eintritt 15.--

NADJA ZELA

 

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Nadja Zela, Sängerin, Gitarristin und Songwriterin, war ab 1986 in diversen schweizer Independent-Rock Bands vertreten: «The Roudabouts», «Fingerpoke», «Sportsguitar» u.a. Am meisten Beachtung fand die All-Girl Formation «Rosebud» (bis 2003), die beim Recrec-Label «MakeUp» 2 Alben veröffentlichte, unzählige Konzerte spielte und als Resident-Band sechs Monate lang im von uns verehrten «Helsinki»-Klub tingeltangelte. Seit 2005 ist sie Frontfrau der verträumten Blues-Rock Band «Fifty Foot Mama», deren Album «Hard and Soul» (2007) beim zürcher Label «kuenschtli.ch» erschienen ist. Auf ihrem ersten Solo-Album «Vierspur-Songs» (2002) bündelte Zela ihre skizzenhaften Vierspur-Experimente.

Das neue Album «Ciao Amore», entstanden in totaler Eigenregie, zeigt nun gereifte, aber nicht minder eigenwillige Ideen. Inspiriert von frühem Delta-Blues, erschafft Zela in einem knapp instrumentierten Songwriting, persönliche, erzählerische Lieder. Das Album gleicht einer Miniatur mit epischer Gefühlsbreite. Es erscheint auf «Patient Records», Zelas ‘geduldigem’ Eigen-Label.

Unser aller Tagi schreibt: «Es ist ein Blues, bei dem man nicht an Schnäuze und Bierwampen denkt. Sondern Bessie Smith. Ja, so direkt, so mitleidlos und gelegentlich auch belustigt wie die Blueskönigin der 20er-Jahre sticht auch Nadja Zela in Herzen und Rücken.»

Die Ausrüstung für das Ciao Amore Live-Set sind eine Hagstrom Archtop 1978, ein Fender Twin Amp 1975 und zwei Miks, verzerrt und unverzerrt. Der Schlagzeuger ‘Fisch’ (ex: Eugen, Disco Doom u.a.) bringt ein kleines Blues-Drum, sowie diverse Panderos und vielen schönen Schnickschnack zum Draufhauen mit. Im Duo entsteht ein Set, das zwischen rauem Pop, verspieltem Blues und experimentellen, soundtrackartigen Momenten schwankt, hergestellt mit erstaunlich wenig Instrumentarium. Die Lieder sind so direkt, lyrisch und beherzt, dass manchem alten Matros das Heulen kommt.

   
 

...the grit & glory of every day living  

Samstag, 10. April 2010, 20Uhr20
Eintritt 25.--

WHY?
+ I MIGHT BE WRONG

anticon.com
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Why? Welum? Warum? Weshalb? Fragt nicht so viel! Yoni Wolf, wie der WHY?-Mastermind mit bürgerlichem Namen heisst, gastierte auf Alben von Fog, Odd Nosdam, Telephone Jim Jesus, Doseone, Mr. Dibbs, Atmosphere's Slug und mischte bei Freewheeling Rap- und Lo-Fi-Rock-Projekten mit wie including Greenthink, Miss Ohio's Nameless, Reaching Quiet und cLOUDDEAD, und die kennen wir alle nicht. Vielleicht im Jamarico oder RecRec. Who knows.

WHY?’s drittes Werk «Alopecia» von 2008 ist eine Sammlung harter Reime, die Yoni Wolf mit einem unbeugsamen Lächeln vorträgt: Kleine, wirklich eigensinnige Weisheiten über die Höhen und Tiefen des Alltags, von der Band in die dazu passende versponnene, dunkle und expressive Musik gebracht. Für die Aufnahmen hat sich das Trio aus Cincinnati mit Andrew Broder und Mark Erickson von den Art-Rock-Pionieren Fog zwei weitere Mitstreiter ins Boot geholt. Vom hymnischen Single-Track «The Hollows» bis zum trockenen Rapsong «By Torpedo or Crohn's» sprengt die Band immer wieder die Grenzen ihres Sounds, um extrem virtuos mit Stimmungen und Texturen zu spielen.

Nun präsentiert sich WHY? auf ihrem mittlerweile vierten Album «Eskimo Snow» ungezügelter und atmosphärischer als je zuvor. Abgemischt hat Lambchops Mark Nevers (Silver Jews, Bonnie Prince Billy, Calexico). Beide Alben ergänzen sich perfekt: Herrschte auf Alopecia» ein strenges Regime komplexer Rhythmen, Live-Loops und schmutziger Hooks, so bietet «Eskimo Snow» eine grosszügige Mischung aus Americana und Psychedelic-Folk. Entstanden sind die Songs beider Platten während derselben Aufnahmesession.

Weissbehandschuht, weiss gekleidet, vergilbt fotografiert, Hintergrund ein Lila-Verlauf Arme über Kreuz, Kopf ein Blumenbouquet, darüber schwebt etwas angekratzt das Damokles-Schwert der Bandfrage WHY?, darunter räkelt sich weiss der Eskimo Snow-Schnörkel. Und egal, ob ihr sie versteht: Diese Band hat Antworten zur Hand und die haut sie uns auf unserer gefragten Allerletztinsel so entschleunigt, hymnisch, ungefragt und unverblümt um die Ohren, dass wir zwar weiter WHY? stammeln, aber damit dann alles, aber auch wirklich alles, gesagt haben. Der Rest ist Sound

   
 

...a little bit country, a little
bit other weird, cool stuff

Montag, 29. März 2010, 20Uhr20
Eintritt 20.--

DAN COSTELLO

dancostellomusic.com
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Nur wenige Singer-Songwriter erreichen eine so warmherzige und energiegeladene Bühnenpräsenz wie der an Halloween geborene Tausendsassa aus Brooklyn. Er kommt, um zu unterhalten. Und das kann er. Grossartig. Nein, mit Elvis Costello ist er nicht verwandt, aber danke der Nachfrage. Viel verwandter fühlt er sich dem amerikanischen Revolutionär und Guerilla-Führer der Green Mountain Boys Ethan Allen (1738 – 1789). Costellos Songwriting bedient sich aus der reichen Inspirationskiste von Folk, Rock, Jazz, HipHop, Broadway. Folk-Songs in bester Anti-Folk-Tradition: Smart, lustig, geist- und fintenreich, direkt aus dem Herzen und smogklar aus New York. Ausgestattet mit einer kräftigen, klaren Stimme und einer Sechs-Saitigen singt er voller Bilderreichtum und Power – und ein wenig theatralisch. Very, very cool.

Dan ist ein Kind der Bühne: Schon mit fünf Jahren trug er alle möglichen Kostüme, mit 13 komponierte er seinen ersten Song «Dan’s Blues» für das Al-City Orchestra in Albany NY, sang als Teenager im Gospelchor, lernte Jazz-Saxophon und Keyboard und begann HipHop-Lyrics zu schreiben. An der Syracuse University produzierte er eine Bühnenversion von Pink Floyd’s «The Wall» und adaptierte The Who’s «Tommy» und «The Rocky Horror Picture Show». 2003 machte er seinen BFA-Abschluss in Drama. Und und und. Sozial engagierte Musik wie Woody Guthrie’s «Ballad of Sacco and Vanzetti» wiesen ihm früh den Weg, auf dem Pete Seeger, Phil Ochs, Dylan ihn begleiteten. Vom New York Anti-Folk-Festival über die Creaky Boards bis zur Parallel-Arbeit an einem akustischen Solo-Album, einem Musical und einer neuen Finanz-Rubrik: Dan geht’s ums Selbermachen, Anpacken und die Freiheit und Unabhängigkeit, die man dadurch erhält. «Wir veranstalten seit einiger Zeit die Brooklyn Tea Party, bei der wir befreundete Künstler aber auch Leute von außerhalb einladen. Wir bewohnen eine altes Haus und haben bei uns im Wohnzimmer eine kleine Bühne gebaut» Und: Er ist stolzer Onkel des wunderbarsten Kids auf dem ganzen Planeten.

«Ein bisschen Country, ein bisschen, ähm... andersartiger, cooler Stoff.»
– Boulder Weekly

«Dieser Folk-Rapper-Poet haut dir bildlich, aber stinkfreundlich eins mitten ins Gesicht (aber nicht zu stinkfreundlich). Humorvolle Sozialkritik sickert durch seine Songs, eine erfrischender Wortsturm in einem Songwriter-Klima von Bekenntnissen und Narzissmen.» – Gabriel Levit, jezebelmusic.com

 

   
 

...con passione italiana e twist’n’roll

Samstag, 27. März 2010, 20Uhr20
Eintritt 20.--

LA FAMIGLIA ROSSI

famiglia-rossi.ch
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Was machen, wenn man in eine Italofamilie im Basel der 70er-Jahre geboren wird und nicht in einer Clique Piccolo spielen kann? Wenn man keine Lust auf eine Lehre als Maurer oder Verkäuferin hat, keine Pizzeria eröffnen will? Man gründet eine Band. Und man spielt naturalmente die Perlen aus Mamas Plattensammlung: Die unvergesslichen Canzoni successi von Renato Carosone, Fred Buscaglione oder Adriano Celentano. Mama Rossis Bambini sind: Beatrice, die grosse Sorella mit dem noch grösseren Contrabasso, schön und stimmgewaltig (nicht nur auf der Bühne), der grossspurige und sympathische Kleinmacho Massimo am Akkordeon, das schüchterne Nesthäkchen Michele mit seiner Rockgitarre und an der Batteria la Cugina Giulietta, die geheimnisvolle Bellezza di Napoli.

Mittlerweile haben sich auch eigene Canzoni dazugesellt – und die vier Rossis donnern mit ihrem getunten Fiat Panda unbeirrt durch die tristen Vororte der hochnebelverhangenen Schweiz und bringen die Sonne des Südens in rauchgeschwängerte Konzertlokale. Und wenn die Sonne im Meer versinkt, wünschen wir uns, dass dieses Glück nie enden möge – und dass die unvergesslichen Melodien der Famiglia Rossi ewig weiterklingen. Adesso siamo qui a l’ultima isola bella, con passione italiana e twist’n’roll – siamo la famiglia Rossi!

   
 

...atemberaubend

Samstag, 20. März 2010, 20Uhr20
Eintritt 20.--

BOSQUE BROWN

bosquebrown.com
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Satte 15 Monate arbeiteten Bosque Brown am Nachfolger ihres Debütalbums «Plays Mara Lee Miller» von 2005: Bezüglich Sound und Instrumentierung hat «Baby» ordentlich zugelegt, gleichzeitig macht sich die Live-Erfahrung der texanischen Americana-Band bemerkbar. Das alles wäre wenig, ohne die Stimme von Singer/Songwriterin Mara Lee Miller. Zusammen mit ihrer Schwester Gina sorgt sie für das unverwechselbare Markenzeichen Bosque Browns, das sich irgendwo zwischen Cat Power und Hank Williams wiederfindet. Während Schlagzeuger Winston Chapman sein Arbeitsutensil mit allerlei Tricks aufzupeppen versteht und es rhythmisch noch besser zu den satten Keyboards, Orgeln und Pedal Steel passt, erklingt Millers Stimme mehrschichtig und mit reichlich Hall versehen wie auf alten Sacred-Harp-Aufnahmen. Gleichzeitig entsteht eine intime Home-Recording-Atmosphäre, in der sich Millers persönliche Texte hörbar wohlfühlen. Und uns befällt dieses wunderliche Graureiherhaut-Kribbeln, wenn Musik ganz ohne Sauerstoffflasche und Neoprenanzug Tiefenrekorde in unserer kleinen Inselseele taucht und es für Schönheit keine Worte mehr gibt.

   
 

...poor boy blues

Montag, 15. März 2010, 20Uhr20
Eintritt 15.--

THE RADIO R.A.T. MISERY HOUR

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Ein Beelzebub kommt selten allein, ausser er heisst Stephen und er wird euch tüchtig an den Löffeln packen: Vom ellokalen Mischpulthimmelsbalkon auf die allerallerletztinslige Bühnenhölle und zurück. Der gefallene Engel Stephen «Steppin Thawmus» Douglas Thomas wird euch im Fegefeuer seiner Holzklampfe und seiner bluestrunkenen Röhre windelweich und blutgar braten. Einmal am Haken, gibts kein Zurück. Gebenedeit und gut geröhrt sei die fadengrade Feier des himmelschreienden Selbstmitleides und die tollwütigen Bisse der pantoffelheldischen Gewissensnot: R.R.M.H. zelebriert euch ein seelenerschütterndes Voodoo-Potpurri aus herzschmerzenden «Poor Boy»- und «My Woman Done Me Wrong»-Songs. Seit 2006 ist R.R.M.H. on air, manchmal alleine oder auch als Rat Patrol zusammen mit Vinyl Master Blueboy K in A.C. Kuppers «Neuropa - The Modern Institute».

Passend zur Weltwirtschaftskrise spiele R.R.M.H. sumpfigen Country-Blues, wie er in der grossen Depression in Amerikas Süden aktuell war, schreibt die Rote Fabrik. Die Krise ist ja jetzt vorbei, die Abzocker zocken den Beelzebub munter ins Nirvana und Stephens R.R.M.H. denkt nicht daran, jetzt schon in Pension zu gehen, solang’s noch was zu holen gäbe. Er legt ja erst grad richtig los. Folgen wir ihm ins wunderschön heulende Elend, danach kann’s nur noch aufwärts gehen hinieden im kunterbunten Jammerfreudental.

   
 

...aus den vorstädten der vorstellung

Montag, 01. März 2010, 20Uhr20
Eintritt 35.--

BRATSCH

bratsch.com
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Lange haben die vielen Fans sich gedulden müssen: Nach ihrem Erfolgsalbum «Plein du Monde», auf dem Künstlerfreunde wie Khaled, Lhasa (R.I.P.), Olivia Ruiz und Charles Aznavour zusammen mit der französischen SuperBoyGroup ihre eigene Versionen von Bratsch-Songs einspielten, kehrt die Band mit dem neuen Programm «Urban Bratsch» nun in die Intimität ihrer «imaginären Folklore» zurück. Bratsch spielt jedes neue Programm ein Jahr live, bevor daraus eine CD entsteht. Das antizyklische Verhalten hat sich in der 34-jährigen Bandgeschichte mehr als bewährt. Kaum eine andere aktuelle Band versteht es derart meisterhaft, Stimmungen zu erzeugen, mit einer gewissermassen «zurückhaltenden Virtuosität» darzubieten und ihr Publikum träumen zu lassen, aber auch Anregungen zu so etwas abgestandenem wie dem Kampf für eine bessere Zukunft, für eine bessere Welt zu geben.

Bratsch über «Urban Bratsch»: «Städte haben Gesichter, haben Namen – 'die schwarze Stadt', 'die Stadt mit den sieben Hügeln', 'die Stadt der tausend Glocken' … Städte haben auch ihre eigene Musik, ihre Sprachen, ihre 'Codes': Rembetiko, Fado, Tango, Musette, Blues … Da sind die Städte, die uns träumen lassen – Odessa etwa, Thessaloniki, Paris, Budapest, Berlin, Lissabon, Barcelona, und viele andere … Wir fahren durch diese Städte, atmen, fühlen uns frei, wir kommen nach Hause zurück mit neuen Melodien, Liedern in allen Sprachen, wir schreiben unsere eigene Musik über die Vorstädte, denn dort ist das eigentliche Leben aller Städte – besonders in den 'Vorstädten unserer Vorstellung', den 'imaginary suburb' dieser Städte – und diesen Vorstädten, die das eigentliche Herz aller Städte ausmachen, widmen wir unser neues Programm – den Hafenvierteln, den Flüssen, die unerfüllte Träume wegtragen, den kleinen Strassen, auf denen vielleicht der 'Django von morgen' Gitarre spielt.»

«Urban Bratsch» kommt mit neuen Gerüchen, neuen Umgebungen, fussend auf
Traditionen. Aber diesmal geht die Reise weiter. Und wer jetzt schon weiss, dass er statt der immateriellen Souvenirs dieses betörenden Weltenbummels lieber die Errungenschaften der Altersheim-Werbetouren im Car seiner guten Stube bestaunt, der darf bis dahin ruhig vor seiner miesbildigen Flachbildkiste verblöden. Wir allerletzten Insulaner – geimpft oder nicht – glauben nämlich auch daran, dass eine bessere Welt möglich ist. Unsere Weltbedeutungsplanken und Bratsch sind Teil davon.

   
 

...bayrischer gypsy balkan funk alpen-jazz techno brass

Samstag, 20. Februar 2010, 20Uhr20
Eintritt 25.--

LaBrassBanda

labrassbanda.com
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«Warum sich die Journalisten und Medienleute so schwer tun, unseren Stil zu beschreiben, wissen wir nicht. Für manche ist es Bayerischer Gypsy Brass, für andere wiederum Balkan Funk Brass oder noch viel besser Alpen Jazz Techno. Für uns ist es einfach die Musik, die aus uns raus will. Sie geht den Leuten direkt in die Beine und macht es ihnen schwer stillzuhalten.» So die Brassbanda-Band-Info. Und weiter: «Die Lederhosen tragen wir übrigens, weil es keine bequemere und pflegeleichtere Alternative gibt. Dasselbe gilt für die Instrumente, hier gilt: unter 100 Euro, dafür über 100 Jahre alt. ... Die Coolness englischer Gitarrenrockbands liegt uns nicht im Blut und dennoch haben wir das grosse Glück, den Rock ’n ’Roll so zu leben, wie wir uns das vorstellen. Und so entspricht LaBrassBanda genau dem, was bayrische Blasmusik auch sein kann: ungenierte Texte, zuckende Offbeats und wummernde Bässe. ... Wir müssen uns nicht spielen oder verstellen bei dem, was wir machen und darum sind wir sauber froh.» Jo mei, da zieht’s dem Schramm, dem Kaiser Fronz, dem Hoeness Ulli und dem ganzen Bayern EffZeh die Hosn bis auf die Knochn aus! Und wir verstärken schon die Bretter unseres doch einiges gewohnten Lokalbrettertanzbodens, damit sie dieser tausendprozentigen Kernschmelze standhalten. Und wenn diese Wahnsinnigen dann noch barfuss drauf rumtanzen, dann aber ohalätz!

«Es gibt Volksmusik und neue Volksmusik, es gibt Rock, Punk, Dub, HipHop und Techno, aber eine Band wie diese hat man noch nie gehört. Sie sind die Men in Blech mit dem Auftrag, jeden Club, jede Halle in Grund und Boden zu spielen.» Süddeutsche Zeitung

«Forget the Gypsy compilations, the blow-hards and the soundalike orkestars and treat yourself to a pure slice of fuel-injected Süddeutsche funk.» Songlines–London

«Vom zackigen Gipsy-Punk des Eröffnungsstückes über den Polka-Hadern 'Autobahn' und den und genialen Reggae-Abstecher 'Da Dub' bis zum rockigen 'Zehnerfuxa' hat das Quintett alle Musikstile fest im Griff und auch die im Dialekt gesungenen Texte überzeugen mit Witz und Schlagfertigkeit. Dass die Band mit 'Nathalie' auch noch Bayerns Antwort auf Michael Jacksons 'Billy Jean' zu bieten hat, ist nur noch die Schaumkrone aufs Bier.» Now–Wien

   
 

...Inselhelden, rastlose

Montag, 15. Februar 2010, 20Uhr20
Eintritt 25.--

CHRIS CACAVAS

PAUL ARMFIELD

chris-cacavas.com
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paularmfield.com
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Legt einer ein Tape(!) ein, nach den ersten Tönen sagt der andere: «Klingt ja wie Neil Young.» Antwortet der am Tape: «Ist aber Chris Cacavas Derweil aber Young fast nur noch Mittelmass verschwurbelt, sind uns die fünf Jahre seit «Self Taut» verdammt lang geworden. Die in zerfranste Gitarren und süsse Harmonien gegossene Melancholie schrie nach Nachschub. «Love's Been Discontinued» entlöhnt die Warterei und hilft gegen alle Entzugserscheinungen – vor allem aber zeigt es, wie wenig die ständigen Vergleiche, so schmeichelhaft sie sein mögen, dem eindrücklichen Werk des Ex-Green On Red-Keyboarders gerecht werden.

«Other Side» eröffnet das Album mit monotonem Keyboard-Riff, hypnotischen Harmonien und Rückwärtsgitarren. Der Song hätte auch auf «Bumbling Home From The Stars» (2002) gepasst, dieses Meisterwerk, auf dem sich Americana und Post-Rock gute Nacht sagten. Vielleicht liegt es an der Reissbrettstadt Karlsruhe, wo Cacavas seit einiger Zeit verliebt lebt: Der Sound von «Love’s Been Discontinued» ist sein bislang Americana-fernstes Werk. Nein, Cacavas ist natürlich immer noch Cacavas, mehr denn je. Ist ja auch so einer, der immer besser klingt. Statt pointierter Orgel und praller Klavierpassagen breiten sich die Keyboards jetzt webend im Hintergrund aus, während vorne die Gitarren herrschen. Und manchmal pluckern Synthesizer geradezu elektrowavig vor sich her. Zwar segelt Käpt’n Cacavas noch immer unter dem Alternativ-Rock-Banner, doch der Sound ist weicher, weniger Country, gewürzt mit leichem Psychodelic-Touch und Vicki Browns wunderbarer Violine. Und die Schwerkraft scheint aufgehoben, die verliebten Songs schweben förmlich, als triebe es Can mit Damo Suzuki.

Kennzeichnend ist auch immer noch seine brüchige Stimme, eher gehaucht als geschüttelt und gerührt. Und das Young-Etikett schmeissen wir nun für alle Zeiten in den Mistkübel der Musikgeschichte. Nie wird Cacavas anbiedernd, immer schützen Ecken und Kanten vor dem schaurigen Sülze-Erstickungstod. Das Jahr hat seinen Minnesänger schon gefunden. Von fragiler Schönheit, liefert die Scheibe Balsam für die Seele. Selbst die schnelleren Songs lassen die Füsse vom allerletzten Inselufer in die tiefe Bläue der Rheinsihl baumeln; auch wenn sich gelegentlich Dunkelheit ausbreitet («Who’s Your Whore», «I Bow Down»), bleibt die Stimmung geprägt von der Sehnsucht nach Freundschaft, Liebe, Nähe. Viel Gefühl in endlos schöner Musik.

Wir bekommen also allerfeinsten, grundehrlichen Chris Cacavas. Und wir lieben ihn. Dass der live immer weit mehr hält, als wir versprechen, braucht hier nur noch den tauben Menschen verzapft zu werden, die es sowieso nicht hören und es schaffen, einen unserer ganz grossen Inselhelden bis heute nicht zu kennen. Das Erlebnis Cacavas vergisst du nämlich bis in alle Ewigkeit nicht mehr, brennt sich im Gedächtnis deines Herzensgrundes ein, entfaltet heilsam das süsse Gift des Genius mit extrem vielen Nebenwirkungen: Cacavas ist ein Outsider, stolz auf seine Rastlosigkeit. Einer, der nie zur Ruhe kommen will. Genau wie wir Inselbewohner auch.

«They said it couldn't be done! Or maybe they said it couldn't be done by me, but folks let me tell ya – it is done and it's a thing of beauty! Why am I gushing about my very own latest release? Well, do you think I'd tell you how 'unbelievably ugly' my baby is? It's true, if my baby were ugly (this one is not!) I'd probably focus on the good features (lovely toes, beautiful eye) but I have yet to find anything I dislike sonically or aesthetically about Love's Been Discontinued. 'Well..' you might ask 'if it's so great then why are you listening to The Flaming Lips as you type this'? The answer is simple – I love my cigar, too, but I take it out of my mouth once in a while»
- Chris Cacavas

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Balladen und Songs wie Tausend süsse Tode: Paul Armfield fasst das Leben in unendlich bittersüss-schöne Folk Noir-Juwelen. Er singt mit grosser Geste und warmherzigem Timbre von den kleinen Dingen. Literatur ist neben der Musik die zweite grosse Liebe dieses charismatischen Musikers: Zuhause sitzt der Mann in seinem kleinen, gut sortierten Buchladen und wehrt sich gegen den Kommerz im Musikbusiness; schreibt Songs, verträumt, zynisch und sozialkritisch. Armfield steht mit Bands wie 'Motion Pictures' oder 'The Bees' für die lebhafte Musikszene der Isle Of Wight vor der Südküste Englands. Es soll da ein Nest von genialen Musikussen geben.

Nach den beiden Alben 'Songs Without Words' und 'Evermine' folgt nun nach langer Pause mit 'Blood, Fish & Bone' ein weiteres Meisterwerk des sanften 2-Meter-Hünen mit der dunklen Stimme; unterstützt von seiner Band The Four Good Reasons, mit der er nun auch durch Europa tourt. Die neuen Songs passen perfekt zur Jahreszeit: Dunkel, ruhig und herzerwärmend zieht Paul den Hörer in seine Welt von Kontrabass, Banjo, Gitarre und Mandoline; der Gesang mal bärig, mal kehlig. Mehr braucht es nicht, um eine wunderbar zerbrechliche, melancholische, weite Erzählwelt auferstehen zu lassen.

Seine Leidenschaft für das französische Chanson und den europäischen Jazz hat er bereits auf seinen Vorgängeralben offenbart; mit diesem Werk begibt er sich ausserdem auf die Spuren zeitloser Songwriter wie Nick Drake, Tim Hardin und Leonard Cohen. Die atmosphärische Nähe zu Lambchop mag sich durch eine gemeinsame Tour mit den Mannen um Kurt Wagner erklären, der stille Kammerfolk-Charakter der Tindersticks aufgrund der Zusammenarbeit mit dessen einstigem Arrangeur Dickon Hinchliffe. Bei allen Referenzen kreiert dieser Mann seinen ureigenen meditativen Kosmos. Und er versteht es, mit seinen zauberhaften Geschichten über die Liebe, das Alter oder Freundschaft trotz oder gerade wegen des Wissens um deren Endlichkeit immer auch deren Schönheit offenzulegen. Stille Klänge, zauberhafte Lieder. Also: Herzen und Seelen auf und hierhören, auf unserer allerletzten Seufzerinsel an der ach so verliebten Sihl.

   
 

...spaghetti western

Samstag, 6. Februar 2010, 21Uhr21

DUB SPENCER & TRANCE HILL

«Riding Strange Horses»
CD-Release-Party feat. UMBERTO ECHO

Aftershow-party:
Echo Beach Soundsystem
«Rockers To Rockers»
Die ersten 100 Gäste bekommen gratis eine
Echo Beach-CD

dubspencer.ch
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Der Monsterdub-Spaghetti-Western geht in die übernächste Runde: Nach «Return Of The Supercops» (2007) legen die Asphalt-Cowboys von Dub Spencer & Trance Hill mit «Riding Strange Horses» ein Meisterwerk mit Covers ihrer Lieblinge vor. Nicht nur die internationale Kritik ist begeistert. Und dass die Jungs nicht lange fackeln, wisst ihr eigentlich schon, denn es ist noch gar nicht lange her, als sie ihre staubig-funkelnden Grooves auf unserem lokalen Parkett abschossen. Die krachende Essenz des Dub verwandelt die steifsten Knochen in vibrierenden Gummi: Instrumentale, psychedelische Reggae-Melodien durchbrochen von giftigen Gitarren, Country-Passagen mutieren zu schleppenden Grooves, verschlafen-dubbige Beats zu treibendem Trance. Hypnotische Bassbeats pumpen den Weg ins Innerste frei, wo verdreht pulsierende Hammondorgeln ihren halluzigenen Sog entfalten.

Ihre Beeinflusser sprechen Bände: Bob Marley (logo), Bill Laswell, Burning Spear (in Dub), Nils-Petter Molvaer, Scientist, King Tubby, Sly & Robbie, Upsetters, Lee «Scratch» Perry, Ninja-Tune early years, alles zwischen Heavy Dub, Jazz, Roots Reggae, Warm Electronica und einfach jede Musik mit fadengradem Style – Inspiration lauert überall. Ja, die Helden des Monster-Dubs jagen im 21sten Jahrhundert ihre wilden Gäule über schweizerische Steppen und türkisgrüne Postkartenweltmeere. Und wo die freundeidgenössischen Dub-Rabauken sich in den Sattel schwingen, wächst wenig Gras unter den Gampirosskufen. Zurück bleibt ein wohltuender Zustand der Verwirrung. Eine süchtig machende Klangerfahrung: Acht Fäuste für ein Dubelujah! Da wird der inseleigene Graureiher Augen machen, wenn ihm die süssen Wasserfische zu Hunderten in den offenen Schnabel tanzen. Ober er das alles schlucken kann?

   
 

...wüstensand & blizzards

Donnerstag, 4. Februar 2010, 20Uhr20

HOWE GELB

+ AD HOC / OLDSEED

 

howegelb.com
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«Es ist wichtig, dass man ein Mal jeden Abend etwas macht, das man vorher nicht geprobt hat!», sagt Howe Gelb, der Giant Sandler und grosse Freistil-Weltmeister des Live -Auftritts. Also same procedure as last time: Keiner weiss, ob Howe heil auf der anderen Seite des Seils ankommen wird. Natürlich ohne Netz und Sicherungskarabiner. Aber bisher ist’s immer gut gegangen. Bisher ist’s immer super gegangen. Bisher wars immer phantastisch, was dieser Lokalheilige auf Lebenszeit bei uns ablieferte. Immer wieder wird sich Howe, der Gentleman, neu erfinden und alle Publikumserwartungen grandios scheiternd zu feinstem Wüstensand zerbröseln lassen, der unter deinen Nägeln brennt wie Freudenfeuer. Die Wüste wächst, die Wüste lebt, wehe dem, der keine Wüsten in sich birgt. Der ist bei Howe’s Performance schwer in Gefahr, nur mit einem lebenslangen Howe-Syndrom der höllischen Glut des musikalischen Fegefeuers zu entkommen. Und dann ist’s um dich geschehen, Mann oder Frau!

Das einzige Aktivmitglied der Wüstenrocker Giant Sandworms (heute: Giant Sand) ist immer auf Achse und greift sich manchmal irgendeinen zufällig anwesend Musikus, turnt als Elch über das Ewige Bühnenholz oder improvisiert zu soeben zugesteckt bekommenen CDs. Und der Mann wird auch immer besser und manchmal riecht’s trotz spitzbübischem Schalk ein bisschen nach quicklebendiger Voraltersweisheit. Wer keines seiner 45 legendären Alben kennt, ist zwar selber Schuld, da unzählige illustre Gäste mitspielen: Lisa Germano, Scout Nibblett, die westwelsche Damenwelt rundum Francoiz Breut und Marianne Dissard, John Parish und PJ Harvey, M. Ward, John Doe, Neko Case, unsere alten Lokalhelden Vic Chesnutt und Kurt Wagner (Lambchop) oder auch Chan Marshall (Cat Power) sind nur einige. Aber eigentlich kann man die grossartigen Konzerte auch ohne explizite Vorbildung geniessen. Und selbst die süssesten Streichersätze wirken niemals kitschig. Zumal der liebenswert chaotische Charismatiker Gelb gezielt allzu selige Stimmungen untergräbt und die Atmosphäre zu fast hörspielartigen Szenen verdichtet, gebrochen durch eine stets präsente Ironie, die kaum etwas, am wenigsten sich selbst, ernst zu nehmen scheint. Eine entspannte Session wie auf der Veranda irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten, ein früher Morgen in Paris, ein Tag in Big Apple, ein weiterer unvergesslicher Abend im el Lokal. Howe forever!

Er öffnet eure Herzen. Und zwar ganz ohne Brechstange, Presslufthammer oder Plastiksprengstoff. Der kanadische Singer-Songwriter Craig Bjerring alias Oldseed gehört zu den Auserwählten, die mit Musik selbst Steinherzen und nicht vorhandene Pumpen knacken, zum Leben erwecken und sperrangelweit aufreissen. Folkige Melodien und Gesang erinnern an Jeff Tweedy und Will Oldham, die Texte handeln von der Liebe, vom Suchen, vom Finden und vom Verlieren. Mit Mütze und Vollbart sieht er aus wie der verwahrloste Vorfahre von Badly Drawn Boy zu seinen besten Zeiten. Vor allem aber ist Craig Bjerring auch Musiker der fantastischen Improtheater-Gruppe «Crumbs», die sich mit lässigem Charme und grossartigem Handwerk zahllose Fans in Amerika und Europa erspielt hat.

Der Performer, Erfinder und Geschichtenerzähler Oldseed tourt mit leichtem Gepäck: Gitarre, Akkordeon und Rucksack. Und dem neuen Album «The Terror», auf dem ein Reiter im Blizzard kaum zu erkennen ist. Ihr wollt noch mehr unzulässige Namedropping-Vergleiche, die im Raum hängen? Heho, let’s go: Neil Young, Bruce Springsteen, Steve Earl, Nick Drake, James Taylor, Will Oldham zum Zweiten, Elliott Smith. Von Rock bis Jazz muss man bei Oldseed mit allem rechnen. Und weil das so verdammt spannend ist, rechnen wir mit euch, ganz gleich, ob draussen die Welt vor die Säue geht: Oldseed währt ewig und ewig währt am längsten.

   
 

...como el viento

Montag, 1. Februar 2010, 20Uhr20

DEPEDRO

depedro.net
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Depedro ist das Debütalbum von Jairo Zavala, einem der wichtigsten Musiker der spanischen Szene. Er gründete die Rockbands Vacazu und 3000 Hombres, ist ein gefragter Sessionmusiker, spielt schon Ewigkeiten in der Band von Amparanoia und seit anderthalb Jahren Gitarre bei Calexico.

Depedro ist ein reinrassiger Weltmusik-Independant-Bastard aus lateinamerikanischer und mexikanischer Musik, strassenkötrig gekreuzt mit Reggae, Blues und Salsa. Und vor allem ist Jairo Zavala ein famoser Songwriter, von dessen grossartigem Album fast ohne Öffentlichkeit schon mehrere tausend Exemplare ein heimeliges Zuhause fanden. «Den würdevoll dahinkriechenden Songs hört man das Flimmern der Hitze und den staubigen Wind an», ist zu lesen. Das Album entstand «with a little help of some friends»: die Calexicaner Joey Burns und John Convertino mischen mit, aber auch Amparo 'Amparanoia' Sanchez. Manchmal schwebe der Geist von Manu Chao durch die Songs und grandiose Lässigkeit, schreibt Sven Niechziol. Und: «Immer wieder trägt Zavala europäische Einflüsse in die amerikanische Grenzstadt, baut wie in "Te Sigo Sonando" frankophile Einflüsse ein, oder traut sich auch eine flotte, von Jazz durchzogene Pop-Nummer wie 'Comanche' zu.» Wir freuen uns wie frisch geschlüpfte Klapperschlangen, mit Depedro auf ihrer ersten Band-Tour unsere heisse Bühnenwüste zu durchqueren.

Stefan Maelck, MDR Figaro: «Wir hören von Geschichten, Mythen und Schicksalen zwielichtiger Typen, wir tanzen Walzer mit den Gestrauchelten dieser Welt und manchmal wissen wir nicht, ob wir uns nicht verirrt haben in einen Spaghetti-Western von Sergio Leone mit Ennio Morricones Musik. ... Ein erstklassiges Debüt!»

   
 

...Golden Delicious

Samstag, 30. Januar 2010, 20Uhr20

MIKE DOUGHTY

mikedoughty.com
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Mike über Mike: «My name is Mike Doughty. I'm a singer/songwriter. I live in Brooklyn. I'm a blogger and photographer, too: go read it at mikedoughty.com/blog.» Auch ein Buch hat er geschrieben: «Slanky». Damit ist längst nicht alles gesagt. Und ja, er ist der Typ von Soul Coughing: «I quit the band in 2000, against the advice of every sensible person I knew, and took off in a rental car (9000 miles by myself on my first tour) to be a roving acoustic-izer.» Remember Soul Coughing? Das New Yorker Quartett aus dem Umfeld der Knitting Factory war mit seiner eigenständigen Mischung aus Jazz, Funk und Indie-Rock eine der spannendsten Bands Mitte der 90er. Doughty klingt wie etwas zwischen Jack Johnson und G. Love, aber ganz anders. Der Mann mit Powerstimme ist ein ungeschliffener Diamant von der Grösse eines 8-Tonnen-Findlings.

Doughty wird 1970 in Fort Knox (ja, da liegt auch Schweizer Restgold) in eine Militärfamilie hineingeboren und besucht nach etlichen Zügeleien innerhalb der USA die United States Military Academy in West Point nahe New York. Yes, Sir! Ihr seht, der Mann weiss, was Disziplin heisst. Ihr dürft nun trotzdem wieder bequem stehen. Mike kehrt den Militärgrinden nämlich den Rücken und studiert Dichtung. Aus seinem Job in der Knitting Factory kristallisieren sich die legendären Soul Coughing mit drei Alben. Dan Wilson produzierte sein offiziell erstes Solo-Album «Haughty Melodic» (2005), auf dem auch der ganz ohne Mundschutz und Blutstiller in «Grey’s Anatomy» implantierte Song «Looking at the World from the Bottom of a Well» zu finden ist. Es folgte «Golden Delicious» (2008). «Immer wenn ich eine Scheibe rausbringe, scheint das Publikum zu mögen, was ich zwei Jahre vorher besser gemacht habe» Darum reagiert er auf seinem neusten Streich «Sad Man Happy Man» (2009) auf die Reaktion der Fans mit der trotzigen Reaktion, den Leuten zu geben, was sie wollen: «The songs on Sad Man are more arcane and convoluted songwriting-wise, though they’re sparer in terms of instrumentation. Although my choruses are still simple — I love taking phrases and repeating them ad infinitum.» Er mache nun Musik, die er selbst gerne höre. Und er meine das ganz literarisch, nicht wie ‚wenn ich mein Hörer wär, würde ich das und das mögen’, sondern, was man im Kopfhörer in Subway und S-Bahn hören kann, das wirklich passt. «Ich arbeite für die Musik, ich arbeite für die Songs. Ich bin glücklicher, wenn ich mir dessen bewusst bin.» Ja, das hört man, Mike. Und wir sind um Tonnen von Neurotransmittern glücklicher, wenn du deine wunderbaren Geschichten live in unserer spätpostneugotischen Lokal-Kathedrale auftischst, als im scherbelnden Kopfhörer unseres Tresennachbarn.

   
 

...Endlich!!!

Freitag, 29. Januar 2010, 20Uhr20

FINGERPOKE

 

fingerpoke.ch
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Der Phönix aus dem Aschenbecher breitet seine angebräselten Flügel aus und fliegt und fliegt und fliegt wieder. Hoch über den babelhaften Prime Tower hinaus. Ganz ohne Weltraumlift und Bestsellermief. Wir raten den Arbeitsplan-Studierenden in den Cockpits der globalen Touristenbomber, ihre Aufmerksamkeit umgehend auf die Flugstrassen zu richten. Wusstet ihr übrigens, dass «to buy a pig in a poke» bedeutet: die Katze im Sack kaufen? Deine Katze, das Schwein! Aber zurück zum Thema, sorry: Fingerpoke kommen mit brandneuem Album (so stehts wenigstens auf ihrer brandaktuellen Homepage, der blind zu glauben uns etwas gewagt erscheint) am Anfang vom Ende des zweiten Jahrzehnts dieses dritten Jahrtausends nach Lattejupps wunderprächtigem Menschwerdungserstschrei. Und es sei grossartig, versprechen die 40 Finger der Band (oder zählt ihr die Zehen mit?). Schluss mit arthrititischen Nosferatu-Klauen bei den Anonymen Sudokukern, jetzt wird wieder frisch und munter in den klaffenden Wunden der alltäglichen Weltwunder gestochert. Aber bitte, die Website könntet ihr nun wirklich auch mal auffrischen, Jungs! 2. Oktober 2006: «Die Gegenwart zieht erbarmungslos ihre Kreise, und so mussten auch wir uns dem Diktat des Digitalen beugen und eine MySpace-Seite einrichten: http://myspace.com/fingerpoke. Und was kommt wohl als nächstes? Nordic Walking? Sudoku-Sucht? Google Earth Hottingen?» Heilandzack! Wahrscheinlich seid ihr trotz Street View und Schweinegrippe nicht mehr zu retten. Da schreibt *grmbl* am 16.8.2003(!): «Hey Phil, warum hast Du nie was gesagt, dass Du und die Deinen so eine tolle Kapelle auf die Beine gestellt haben? Immer muss man selber alles rausfinden;).» Er hat schon recht, der *grmbl*. Dass seine bestechende Wahrheit immer noch als Webraumschrott im Netz rumzuckelt, spricht auch für eure zeitlose Bescheidenheit. Und ihr habt ja wirklich – wie ihr unschuldsäugig beteuert – alle Zeit und Energie ins grandiose neue Album gesteckt. Hat’s schon einen Namen? Knabe oder Mädchen? Ah, ihr lasst euch überraschen! Wir auch. Für die Wenigen, die euch nicht längst vom Helsinki kennen, Fingerpoke sind: Roli Strobel (Bass, Gesang), Philippe «Barcley James» Amrein (Gitarre, Gesang), Micha «Der Freund» Lewinsky (Gitarre, Lap Steel, Dobro), Ralph Nicotera (Schlagzeug, Perkussion). Breaking News vom Oktober Nullnullneun: Wir werden baldmöglichst die Tourdaten und alles Weitere aktualisieren! Wer’s glaubt, wird selig, wer sie live sieht sowieso. Also bei so einer ausgeklügelten Medienarbeit kann nur grossartige Musik entstehen, die sich samt Rübis-und-Stübis-Insel an der schönen blauen Lorelei vorbeischrummelt, ohne auf sie reinzufallen. Herzwärmerisch.

   
 

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Sonntag, 24. Januar 2010, 20Uhr20

LÜÜL

luul.de
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LÜÜLS Lieder sind verdichtete Alltagspoesie, zärtlich, vergnüglich, lakonisch. Mit einem Hauch von Neuer Deutscher Welle, Polka, Skiffle, Ballade, einem Spritzer Rock `n` Roll. Lebendige, handgemachte Musik, die Charme und Überzeugungskraft hat und für Anfällige sogar ein Suchtmoment. Dazu LÜÜLS Stimme! Heiser und melancholisch und dennoch ins Leben verliebt.

Lüül, das ist der Berliner Lutz Ulbrich, durch seine Heirat im letzten Jahr jetzt sogar «adlig», nämlich Lutz Graf-Ulbrich. Sänger, Songschreiber, Gitarrist. Musiker seit über 40 Jahren. Über 40 veröffentlichte Alben. Im weiten Spektrum zwischen Sixties-Beat, Progrock, Psychedelia, Kiffergewaber und elektronischen Experimenten. Er war Gitarrist von «Agitation Free» und «Ash Ra Tempel». Hat die legendäre Velvet-Underground-Diseuse Nico einige Jahre als Musiker auf der Bühne, und als Liebhaber durchs Leben begleitet. Und ist nach Zeiten mit NDW-Pop («Morgens in der U-Bahn»), Soloalben, «Rocktheater Reineke Fuchs» und Filmmusiken zurückgekehrt zu den Wurzeln bodenständiger, akustischer Musik: Polka, Reggae, Klezmer, Cajun. Für seine CD «Damenbesuch» erhielt er den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

2006 erschien seine Autobiographie Lutz Ulbrich «Lüül - ein Musikerleben», welches uns von unserem liebsten Schallplattenvermittler Veit «RecRec» Stauffer geschenkt wurde. Mit Karte: «Danke für viele tolle Konzerte in Zürich. Siehe Seite 404. Veit». Dort schreibt Lüül über den Besuch der 17 Hippies auf unserer Lokalinsel: «…So auch im wunderschönen El Local (ja,ja…) in Zürich. Dort kannte man uns nun schon besser. Der Laden war gerammelt voll und wir spielten dort ein tolles Konzert.» Those were the days. …

Frech und ungeniert wirbelt LÜÜL alle musikalischen Stile durcheinander, die ihm zur Verfügung stehen: schwer rockende Gitarren, Wiener Schrammeln, karibische Klänge, schmierende Zigeunergeigen, glänzendes Messing einer Blaskapelle zwischen Tom Waits und Kurt Weill, ein von Johnny Cash ausgeborgtes Ring-Of-Fire-Thema, heiser lagerfeuriger Gesang, Twäng-Gitarren zu stampfenden Polkas, schwerer Rhythmus, dampfende Akkordeons, volksliedhafte Themen, exotisch arabische Harmonik, ein schräger Tango und und und. Seine hochkarätige Begleitband besteht aus Musikern der 17 Hippies, aus deren harten Kern Lüül als Gründungsmitglied nicht wegzudenken ist.

Anton Rey kam in den Neujahrsanfangstagen vorbei. Meinte, dass Lüül im Thunesischen Café Mokka (immer eine Reise wert...) aufspielen täte und am Sonntagabend noch frei wäre. Ob wir ihn denn nicht bei uns haben möchten; er wäre bereit, mitzuhelfen. Lüül kommt. Wir sagen Anton mercimillion.

   
 

...ein Bisschen von allem

Montag, 18. Januar 2010, 20Uhr20

PETER HAMMILL

sofasound.com
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«A song – at least in my view – should not be didactic... there should be 'holes' in it, into which the listener can insert his own comprehension and experience.» PH

Endlich wieder bei uns nach über drei Jahren – neues Album «Thin Air» wird im Oktober erscheinen – einer der profiliertesten englischen Musiker, Mitgründer der legendären Progressive-Rock-Band Van der Graaf Generator und seit Jahrzehnten mit anspruchsvoller, durchaus sperriger Musik auf Tour, Musik mit Texten, die literarischen Ansprüchen genügen.

Er liebt die Musik so, wie er den Stillstand fürchtet. Das hat ihn in den zurückliegenden 30 Jahren so ungeheuer produktiv, so vielseitig und scheinbar unendlich kreativ sein lassen. Seine Karriere begann 1968 mit der legendären Band Van der Graaf Generator. Mittlerweile hat der jetzt 51-Jährige, der sich selbst hauptsächlich als Songwriter versteht, nicht nur 23 (!) Solo-Alben veröffentlicht, sondern Musiken für Ballett, Film und Fernsehen komponiert, eine Oper geschrieben, Gedichte übersetzt, geschrieben und gelesen. Genre- und Stilgrenzen interessieren ihn nur, um sich daran zu reiben. Das Kronos Quartet, Peter Gabriel, Robert Fripp, Roger Eno und Guy Evans sind nur einige, mit denen er auf die eine oder andere Weise zusammengearbeitet hat. Bei seiner solistischen Arbeit steht stets der Gesang im Vordergrund, die Geschichte, die es zu erzählen gilt. Seine Musik ist ausgereift und durchdacht und doch voller Spontanität und Leidenschaft. Nicht Pop, nicht Rock, nicht Jazz, nicht moderne Klassik – aber von alledem etwas.

   
 

...never fade away

Samstag, 16. Januar 2010, 20Uhr20

THE BLUE TRANE feat. CHRIS DUARTE

thechrisduartegroup.com
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«Technik alleine reicht nicht, du musst auch eine eigene Stimme besitzen. Ich beschäftige mich mit Jazz und anderen Musikrichtungen. In mir stecken viele Stimmen, denen ich Gehör verschaffen will, vor allem auf der Bühne», sagt Chris Duarte 2007 in einem Interview. Und das ist alles andere als kokett. Duarte weiter: «Ich vertraue meinem Können. Ich habe nichts dagegen, mit Stevie Ray Vaughan verglichen zu werden, weil sich die Leute so an mich erinnern. Ich finde das nicht enttäuschend, möchte aber vor allem selbst nicht enttäuschen. Die Leute sollen nicht zu meinen Konzerten kommen und einen Vaughan-Klon erwarten, der nur Blues spielt. Ich liebe den Blues, möchte mich aber nicht auf ihn beschränken.» Der «im selben Jahr wie seine Fender Stratocaster» (1963) geborene Texaner aus Austin verbindet seit längerem das Erbe Stevie Ray Vaughans mit Jazz, Funk und HipHop. Nicht gerade das Rezept für Radio-Playlists und Millionenpublikum, sondern der Freibrief für endlose Bartouren am Rande des Existenzminimums. Dabei entwickelte Duarte aber seinen eigenwilligen Stil konsequent weiter.

Und siehe da, der Meister, der nicht vom Himmel fiel, braucht auf seinem erst fünften Album «Vantage Point» (11 Songs, 74 Minuten!) nur wenige Takte, um uns voll im Sack zu haben: Erst legt Schlagzeug und Bass den tragenden Boden, dann fräst die Gitarre die Wände raus und zu guter Letzt zerkratzt uns die Stimme das Trommelfell bis runter zu den Stiefeln. Da ist einer gut gereift und spuckt unzählige und grosse Töne – kein einziger ist zu viel oder überrissen. Versierte Schnörkellosigkeit. «Vantage Point» heisst laut Dictionary: «günstiger Ausgangspunkt, der Blickwinkel, vorteilhafte Stellung, die Überlegenheit». Wo hierzulande die Klampfe längst in weitem Flintenbogen ins Korn geflogen wäre, ist einer tarzangleich (weissmüllersch) gegen den Lauf des Mainstreams angeschwommen, tausendmal ertrunken, erschlagen, zerstückelt und vernichtet, mehrfach geschieden, verdaut und ausgeschieden, drogensüchtig und wieder entzogen worden und hat nichts von seinem titanischen Selbstvertrauen verloren. Zu Recht, wie er auf unserem gelobten Inselreich der Alltagstücken eindrücklich beweisen wird: «If I had to, I would do it again: Play my music every day … I'm never gonna fade away.» Yes, you can.

   
 

...stars above

Sonntag, 10. Januar 2010, 20Uhr20

MARIA DOYLE KENNEDY
+ KIERAN KENNEDY

mariadk.com
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Sie sieht umwerfend aus, spielte in Alan Parkers «The Commitments» mit und gehört zu Irlands grossen Stimmen, was bei der dortigen Talentdichte einiges heissen will. Nach den Hothouse Flowers prägte Maria Doyle Kennedys Organ die Dubliner Black Velvet Band. Aretha Franklins «I Never Loved A Man» ist der Legende nach eigentlich für sie komponiert worden. Seit Jahren wird sie von ihrem Mann Kieran an den Stromgitarren begleitet und wunderbar ergänzt.

«Mütter» heisst ihr drittes und neustes Werk, auf der Mermaid-Website in Klammer mit (German for «mother») übersetzt. Ja, die Ü-Pünktchen, gell, ihr Tüpflischisser! Das Album sei unter dem Einfluss von Chuck Palahniuk’s «Diary» (dt. Das letzte Protokoll) entstanden, sagt Maria. Darin fahre der Autor von «Fight Club» starken Tubak auf: «...the testimony of a woman on the verge of a nervous breakdown, and a valentine to the occult power of art.» Nach vier Jahren Arbeit ist diese prächtig beunruhigende Sammlung neugeschaffener Pop-Preziosen bereit, eure Herzen in den tiefsten Seelenmeeren zu versenken, um Millionen Jahre später blutjung der Ursuppe zu entsteigen. Schnitt. Wir können’s nicht lassen, euch genüsslichst einen google-tradüierten myspace-Textausschnitt unverändert und live zu präsentieren: «Schneidet wie Opera, der Haut und des Here You Come, sind meisterhaft behandelt Gitarren Kieran Kennedy und erfinderische Tastatur Kulissen intensiviert. Der Klang der Platte erinnert an ein Folk-ambient Hybrid, warme Melodien und sorgfältig gestaltete Worte winterlichen Hauch von den Cocteau Twins Offset und The Cure. Die gespickt Fuckability ist die Ausnahme: sumpfigen fliessenden Rhythmen mit Stereolab Synthesizer Pfennigabsatz Haken, knurrte Bass und ein unverschämt fleischlichen vocal.» Alles klar? Also besser herkommen und selbst fühlen, denn Maria Doyle Kennedy macht wahrlich über-über-überglücklich.

   
 

...in the ghetto

Freitag, 8. Januar 2010, 22Uhr22

ELVIS EXPLOSION

elvisexplosion.com
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Unvergessen: Das Idol Unseres Herr Martin, der grosse Elvis Presley wäre am
8. Januar 75 Jahre alt geworden. Tolle und Hüftschwung, seine Markenzeichen,
standen für Coolness und Rebellion. Unsere Lokalinsel würdigt den KING OF
ROCK 'N' ROLL!


As the snow flies
On a cold and gray Lokal mornin'
A poor little baby child is born
In the ghetto
And his mama cries
'cause if there's one thing that she don't need
it's another little hungry mouth to feed
In the ghetto
in the ghetto

   
 

...Auch die Schweiz hat 
gute deutsche Lieder 

Donnerstag, 7. Januar 2010, 20Uhr20

SCHÖFTLAND & GISBERT ZU KNYPHAUSEN

schoeftland.com
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Schöftland Das einwöchige Release-Fest ihrer Debut-EP kann nur eins bedeuten: Die Band hat was zu sagen. Illustre Gäste wie Heidi Happy, Pedro Lenz, Greis gaben ihr Bestes, die Welt in den Untergangsloop von Floh von Grünigens Zuversichts-Apokalypsen zu treiben. Edel geht die Welt zugrunde, wie’s so schön heisst. Nach der legendären Schöftland-Gala-Nacht, an der alle Bandmitglieder eigene Projekte präsentierten, folgte die grosse Schöftland-Citynightline-Tournee durch Deutschland:
Mit Pauken und Trompeten und allem anderen Musikswerkzeug inklusive. Harmonium und Schlagzeug reisten die fünf Schöftländer im Zug von Hamburg nach Zürich; in jeder Halte-Stadt des CNL gaben sie ein Konzert. Gar nicht so lange her. Inzwischen tourten sie schon mit dem befreundeten Gisbert Zu Knyphausen durch Deutschlands grosse Clubs.
Die Musik von Schöftland ist wie ein Gewitter an einem traumhaft goldenen Sonntag im Herbst: Wärme und Geborgenheit schlagen urplötzlich um in Blitz und Donner. Derbe Schönheit, mal mit kargen Harmoniumakkorden, trägem Baritonsax und schleppendem Kontrabass, dann wieder lustvolle Wellen von lärmigem Gitarrenstrom, peitschenden Trommelregen und weiss-gischtenden Becken. Name des neuen Albums: «Der Schein trügt». Nicht, dass wir euch nicht gewarnt hätten, Leute, aber an diesem Abend werdet ihr zwar Grossartiges hören und vielleicht auch sehen, nicht aber hinter das allerhinterletzte Geheimnis kommen: Nämlich wie um alles in der Welt fünf Berner draufkommen, sich nach einem aargauischen Kaff mit Schloss und Wirbelkraftwerk zu benennen, das sich selbst als «Fortschrittliche Zentrumsgemeinde im oberen Suhrental» bezeichnet. Die Verschollenen des Nebelunterrichts von Schilten lassen grüssen. Aber was kümmert’s unseren Grau Von Reiher Von und Zu Euch.

«die schweizer band SCHÖFTLAND hat mit „Der Schein trügt“ eine neue lieblingsplatte veröffentlicht.»
Nils Koppruch, Hamburg(ex-Fink)
 
Gisbert Zu Knyphausen Genau, den kennen einige von euch schon. Und Schöftland tourte mit ihm durch Deutschland. (Habt ihr übrigens den blaublütigen Übergang bemerkt?) Auch er war vor noch gar nicht so langer Zeit hier bei uns im hochheilig profanen Inselmartinsdom Zu Unserer Lieben Frau Sankt el Lokal. Und er schreibt noch immer Lieder und singt sie auch, macht das alles noch immer nicht viel länger als beim letzten Mal, dafür aber immer immer lieberer. Die Website gibt nur grad Links zum Buchen, Liebesbriefschreiben und Geschäftsessen (hä?!) sowie zu Label und myspace her. Und von da landet man schon wieder auf einem Schloss, dem derer Zu Knyphausen im Rheingauer Prädikatsweingut, wo der Gisbert ja einst entsprungen. Irgendwie sind wir Kafka, Kaiser und Papst zugleich. There’s a man goin’ round takin’ names. Gisbert indes entfloh nach Hamburg, nicht Ameriko.

«Mein Name ist Gisbert zu Knyphausen und das ist mein richtiger Name». So stellt sich dieser junge Mann immer gerne vor und dann verstummt auch schon das Geplauder, Jackenrascheln, ja sogar Alkoholdunst & Rauch im Raum verziehen sich. Nicht zuletzt werden Ritalinjunkies auf der falschen Dosis still und reich an Aufmerksamkeit. Gisbert singt über Lethargie im Angesicht eines Morgen, über die Suche nach Halt oder schlicht und einfach über das Saufen. Nicht Trinken, Saufen. Und es klingt nie peinlich oder oberflächlich oder wie einfach so dahin gesagt. Vielmehr klingt es ernst, traurig und unendlich echt. Gisbert zu Knyphausen-Hören ist wie Füsse im Sand vergraben oder wie die Wange an warmes Holz legen. Oder so. Er hat der Melancholie ihre Würde zurückgegeben. Wir wollen mehr Melancholie hinausschicken über die Ränder unserer Herzblut pulsenden Insel, hinaus an die Menschen auf den fernen Festländern jenseits der stürmischen Weltmeere. Dem Horizont entgegen, den wir an einer Angel verführerisch und unerreichbar auf Gisberts Melodien vor uns hertragen. Immer immer lieberer.