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Hochgestapelter Bling Bling
Monday, 11.03.2013, 20:20
oh what a night...
Scarlett O'Hanna (B)
Die aus Toulouse stammende, in Brüssel lebende Scarlett O'Hanna – nein, O'Hara heisst die vom Winde verwehte – tourte schon mit Laura Veirs, Scout Niblett, Emily Jane White. Oder – mit ihrem neuen, sehr kurzen, aber oho & daher sich viel länger anfühlenden Album "Impostor" (2012) – als Opener von Wilco.

Ihre erste EP trug den Billig-Bling-Bling-Titel "Cheap Bling Bling" und enthält ein wunderbar zartes Bling-Bling-Cover unseres New Yorker Anti-Bling-Bling-Sorgengenies Daniel Johnston: "True Love Will Find You In The End". Ja, Blingblings Wege sind unergründlich. Jedenfalls glänzt hier alles, was blingblingt. Die belgische Modemacherin Aurore Brun liess sie auf dem Catwalk während der Bling Bling Elle/Miele-Show live musizieren.

"Impostor" (dt. Hochstapler) heisst eine Kurzgeschichte von 1953 des phänomenalen Science Fiction-Autors Philip K. Dick ("Blade Runner"). Darauf lose basierend sei die nie fertiggestellte 30-Minuten-Fassung des Films "The Light Years Trilogy" entstanden. Aus dem vorhandenen Material wiederum bastelte man mit vielen Nachdrehs den in diverse Fassungen zerschnipselte & zusammengestückelte B-Science Fiction "Impostor – Der Replikant". (Wiki: Zu Beginn des Filmes sind vereinzelte Szenen aus anderen Filmen zu sehen, zudem tragen die Soldaten im Film die alten Körperpanzerungen aus Starship Troopers; zensurschnitt.com: 43 Zensurschnitte, 53 erweiterte Szenen, 6 neue Szenen, Umschnitte werden nicht gelistet.) Und nun also tiefstapelt unsere Scarlett O'Hara darauf basierend – garantiert auch mit Bezug zum Originaltext – eine kurzlange Scheibe mit zauberhaften Kläng- & Gesangsfragmenten, die gut zu illustrieren vermag, warum man sie auch – wie gewisse, nicht gestellkonforme Bücher – Format-Killer nennt: Sie zerfetzt, zerstückelt, fragmentiert, dekonstruiert ihren höchst eigenwilligen, brüchigen, reduced to the max, hörfreundlich flüssigen Indie-Folk, bis er in kein Regal, keine Schublade mehr hineinpasst. Einflüsse: David Bowie, Badly Drawn Boy, Nick Cave, John Martyn, Tom Waits, Pavement. Aber ein Bitzeli PJ Harvey & Cat Power und und und ist schon auch heraus- oder hineinzuhören.

Der Startsong "Crimson Trees" gibt ein Ziel vor, das nie erreicht wird. Irrlicht. Errötend. Und die Zeile: "Why bother? We're all gonna die?". Darauf hocken die "Disenchanted Ghosts" ernüchtert auf einem klavier-& orgeluntermalten Elektrodraht und sehnen sich zurück an ihre Lieblingsgeisterstätten. "Home" wiederum spielt mit Akustik-& E-Gitarren, alles mit feinen Farben keck aquarelliert & collagiert, zu schönzarter Stimme und ebensolchen Sehnsuchtsmelodien mit der Anfangsfrage: "Hey, are you listening, cause I got some thought?". Im zweitletzten Song konstatiert sie trocken, während wir verschämt erröten (oder meint sie einen Vampier, dann wärs ja niteso schlimm): "You sucked Me Dry". Um dann im nachdenklichen "The Party" dem verpassten Fest nachzutrauern. Aber trauern werdet ihr erst, wenn ihr diese einzigartige Stimme mit ihren unendlich wertvoll blingblingenden Songpreziosen verpasst habt. Und es merkt. Ansonsten macht Scarlett O'Hanna rundum glücklich.

Ein weiteres Album mit ihrem bisherigen Produzenten Rudy Coclet (Girls in Hawai, Arno, Sharko) ist für 2013 angekündigt. Und wenn man Scarlett gugelt, strandet man immer wieder vor japanischen Schriftzeichen. Man liebt sie dort im Land der aufgehenden Sonne. Und auf der allerletzten Insel im Lande der im Morgenrot Dahertretenden auch. Und wie.
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