Lunch from October 16th to October 20th 2017.
Our own house publication, providing an interesting look into what's what on our island and beyond...
A special column giving a high-five to worthwhile articles and opinions all through the year...
never fade away...
Saturday, 16.01.2010, 20Uhr20
oh what a night...
The Blue Train feat.
Chris Duarte (USA)
«Technik alleine reicht nicht, du musst auch eine eigene Stimme besitzen. Ich beschäftige mich mit Jazz und anderen Musikrichtungen. In mir stecken viele Stimmen, denen ich Gehör verschaffen will, vor allem auf der Bühne», sagt Chris Duarte 2007 in einem Interview.

Und das ist alles andere als kokett. Duarte weiter: «Ich vertraue meinem Können. Ich habe nichts dagegen, mit Stevie Ray Vaughan verglichen zu werden, weil sich die Leute so an mich erinnern. Ich finde das nicht enttäuschend, möchte aber vor allem selbst nicht enttäuschen. Die Leute sollen nicht zu meinen Konzerten kommen und einen Vaughan-Klon erwarten, der nur Blues spielt. Ich liebe den Blues, möchte mich aber nicht auf ihn beschränken.» Der «im selben Jahr wie seine Fender Stratocaster» (1963) geborene Texaner aus Austin verbindet seit längerem das Erbe Stevie Ray Vaughans mit Jazz, Funk und HipHop. Nicht gerade das Rezept für Radio-Playlists und Millionenpublikum, sondern der Freibrief für endlose Bartouren am Rande des Existenzminimums. Dabei entwickelte Duarte aber seinen eigenwilligen Stil konsequent weiter.

Und siehe da, der Meister, der nicht vom Himmel fiel, braucht auf seinem erst fünften Album «Vantage Point» (11 Songs, 74 Minuten!) nur wenige Takte, um uns voll im Sack zu haben: Erst legt Schlagzeug und Bass den tragenden Boden, dann fräst die Gitarre die Wände raus und zu guter Letzt zerkratzt uns die Stimme das Trommelfell bis runter zu den Stiefeln. Da ist einer gut gereift und spuckt unzählige und grosse Töne – kein einziger ist zu viel oder überrissen. Versierte Schnörkellosigkeit. «Vantage Point» heisst laut Dictionary: «günstiger Ausgangspunkt, der Blickwinkel, vorteilhafte Stellung, die Überlegenheit». Wo hierzulande die Klampfe längst in weitem Flintenbogen ins Korn geflogen wäre, ist einer tarzangleich (weissmüllersch) gegen den Lauf des Mainstreams angeschwommen, tausendmal ertrunken, erschlagen, zerstückelt und vernichtet, mehrfach geschieden, verdaut und ausgeschieden, drogensüchtig und wieder entzogen worden und hat nichts von seinem titanischen Selbstvertrauen verloren. Zu Recht, wie er auf unserem gelobten Inselreich der Alltagstücken eindrücklich beweisen wird: «If I had to, I would do it again: Play my music every day … I'm never gonna fade away.» Yes, you can.

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