Lunch from October 16th to October 20th 2017.
Our own house publication, providing an interesting look into what's what on our island and beyond...
A special column giving a high-five to worthwhile articles and opinions all through the year...
violent country...
Monday, 18.10.2010, 20Uhr20
oh what a night...
Micah P. Hinson (USA)
Hinsons ungeschliffen rauhe Stimme transportiert die Lebenserfahrung eines hundertjährigen Bluesers. Sein Hornbrillen-Outfit gleicht eher Superman in Zivil. Oder einem Studenten, der er zwischendrin auch noch war.

Ja, Leute, da kommt einer, ders faustdick hinter und in den Ohren hat auf unsere laizistische Schatzinsel an der unendlich blauschönen Mississihl. Begnadet, erleuchtet und total abgefahren wunderwunderbar.

Gegen Rückenschmerzen nimmt der am 30. März `81 in Memphis, TN fadengrad in einen christlichen Fundi-Haushalt hineingeworfene, 4-jährig nach Abilene, TX gezügelte Micah P. Hinson Schmerzmedis, wird süchtig, geht Pleite, fälscht Rezepte, wandert in den Knast, kommt als Obdachloser wieder raus, lebt im Motel und macht als working poor jeden gottverdammten Dreckjob, dem er über den Weg läuft. Das alles mit unter 20. Da erscheint ihm die rettende Musik mit Engelsstimmen und siehe, er predigte den Gospel des Fortschritts wie kein anderer, der sich an den Gitarrensaiten aus dem Sumpf gezogen hat. Heraus kommt Indie-Songwriting vom Feinsten: Das ist der wahre Sound unserer frühen Drittjahrtausendjahre.

2003 nahm er mit dem einzigartigen Kammerpop-Kollektiv The Earlies seinen Erstling «Micah P. Hinson and the Gospel of Progress» auf. Danach gings aufwärts. Am 8. Dezember 2007 bat er seine grosse Liebe Ashley Bryn Gregory nach einem Konzert mit den Mountain Goats, Alasdair Roberts und Emmy the Great in Islington London um ihre Hand. Sie sagte, ja ich will; 2008 wurde geheiratet. Nach diversen wunderbaren Alben ist nun 2010 die Perle «Micah P. Hinson and The Pioneer Saboteurs» herausgekommen. Hätte Eddie Vedder nicht schon den Soundtrack zu Sean Penns himmeltraurigschönem Aussteiger-Film «Into the wild» geschrieben, wäre Hinson der perfekte Mann für den Job. Fragile Folk-Songs von unermesslicher Schönheit führen in unberührte Landschaften als sie noch nicht für uns Hinterbliebene & Hinterwäldler in die Totengruft des Weltkulturerbe-Archivs gezählt wurden. Da treffen sich Grand Archives (!) und Leonard Cohen, um Bären und Eulen mit Walt Whitman-Rezitaten zu bombardieren. Das Erhabene macht aus der milliardenschweren, erduntertanen Menscheit ein Rudel von nichtigen Regenwürmern. Aber Regenwürmer tun Gutes. Nur Gutes.

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