Unsere Elektrobrieftauben fliegen immer wieder ins worldweite Nezz. Unseren Newsletter abladen. Mindestens wöchentlich ...
Feins Z'Mittag gibt's vom 19. August bis und mit 23. August 2019
Am liebsten gelesen, gehört und angeschaut ...
Samstag, 14.09.2019, 20Uhr20
Eintritt: 28.–
The Hormones
女 Nü Wave from China

Please welcome the First Ladies of Chinese Pop Punk: The Hormones sind eine Frauenband aus Chengdu, China. Als The Hormones auf ihrer ersten China-Tournee 2014 den dunklen Pop-Punk ihrer hypnotischen «Elephant» EP erstmals ausserhalb von Chengdu präsentierten, hatte das Publikum nie zuvor etwas Ähnliches gesehen. Ihre Elephant-Single basiert auf einem Zeitungsartikel desselben Jahres, geschrieben aus der Perspektive einer Elefantenkuh, die die Frau des Farmers niedertrampelte, der ihr Elefantenbaby niedergeschossen hatte. «Als ich diese Geschichte las, wurde ich sehr traurig», erklärt die Songwriterin & Bassistin Wang Minghui (oder Mingming), die seit der Gründung 2011 im Sichuan Conservatory of Music bei den Hormonen mitmacht. «Traurig über das, was passiert ist und über das Missverständnis zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. Also verwandelte ich mich in diese Elefantenmutter, die in ein Menschendorf zurückgeht, um Rache zu nehmen.» Dann kam das Fernsehen, ihre Berühmtheit stieg exponenziell. «Auf die Fernsehsendung folgten unzählige Versuchungen und Entscheidungen», sagt Sängerin Zhu Mengdie. «Wir waren sehr verwirrt, wollten unserer Musik treu bleiben, genossen aber auch die Aufmerksamkeit. Alle hatten unterschiedliche Meinungen und einige sind gegangen.» Pause. Diverse Wechsel, auch Gründungsmitglied Xiao Xue verliess die Band. Neustart. Sie hatten sich für den Weg in die Unabhängigkeit & in Richtung besonderer musikalischer Qualität entschieden. Der Erstling «Beckon» (2018) verarbeitete die emotionalen Hochs & Tiefs dieser schwierigen Zeit. Bilanz & Moral der Bandgeschicht: The Hormones sind eine grossartige Band mit sozial engagierten Lyrics, die es aus dem fernen Riesenland bis auf unsere allerletzte Weltmusikinsel geschafft hat. Die vier Frauen setzen sich aber weiterhin mit ihrer Heimatstadt auseinander, verbinden Angst-getriebene Gitarrensounds mit melancholischen Melodien, errichten experimentell-elektronische Klanglandschaften & mischen diese mit Gesang, der sich extremer Schreie ebenso bedient wie gepflegten «Croonings». Nachdem sie sich so in China Publikum, Erfolg & eine Art Ruhm erspielt haben, machen sie nun auch im Rest der Welt Furore. Todsicher! Wer eine ihrer Performances gesehen hat, bringt den Mund danach tage- ja, wochenlang kaum mehr zu, die Schädeldecke hats eh weggehaut: mindblowing, Leute! Schlicht, salopp & sackstark. Und sie sagen: «We love spicy food and drink a lot.»

Wer unbedingt musikalische Einsortierungen benötigt, wird an die frühe Patti Smith erinnert werden, an Riot Grrl, also Bikini Kill oder Le Tigre oder Sleater Kinney. Doch musikalisch leben wir – und The Hormones sowieso! – längst in anderen Zeiten, ein früher Einfluss war zum Beispiel LCD Soundsystem. Und es ist sicher kein Zufall, dass das einzige Cover ihres Albums ein Song von PJ Harvey ist. – Berthold Seliger, Konzertagent, Autor & ellokaler Freund

The band covered British musician PJ Harvey’s 1995 song 'Down by the Water' for the album, resulting in the most angry-sounding, direct moment in The Hormones’ career so far.TimeOut Beijing

top...
el Lokal