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Whiskey Rabbi...
Montag, 04.04.2011, 20Uhr20
Lokalbühne
Geoff Berner Trio (CAN)
Berners Karriere ist erstaunlich: Nicht nur, dass er seit 2003 fortwährend auf Tour ist (Kaizer’s Orchestra, Billy Bragg, Balkan Beat Box) und bald schon Bob Dylan überrunden tut. Der ehemalige Kandidat der Grünen Partei in British Columbia zählt als Singer/Songwriter und Akkordeonist zu den kontroversesten und unorthodoxesten Erneuerern der Klezmer-Musik.

Einerseits steht er durchaus in der Songwriter-Tradition eines Leonard Cohen, andererseits bekennt er sich offensiv zu seinem traditionellen Erbe. Zwischen Beirut und A Hawk And A Hacksaw hat Berner seine eigene Nische im Ost-Folk gefunden.

Jüdisch-kanadische Trinklieder nennt der selbsternannte Whiskey Rabbi aus Vancouver/Kanada denn auch seine Musik und vertuscht damit den Tiefgang der subversiven Texte - politisch, bissig, emotional. Wer zuhört, hat definitiv mehr davon, wenn Berner mit mal zorniger, mal sanft gebrochener Stimme seine kompromisslosen Songs vom Bühnenbretterstapel lässt, unterlegt mit merkwürdigen und berührenden Klängen seines Schifferklaviers. Wir lieben diesen grandiosen Mix aus Klezmer, Songwriting, Punk und Stand-up-Comedy. Mit dem betörenden «Klezmer Mongrels» schloss Berner seine 2005 begonnene Whiskey Rabbi-Trilogie ab. Ein grosses Stück Songwriting, Polit-Punk-Klezmer vom Feinsten, der zweifellos polarisiert, aber auch Härtestherzen in Seelenpumpen aus Fleisch und Blut verwandelt. Nun bringt er mit seinem neusten Werk «Victory Party» (Rabbi Berner Finally Reveals His True Religious Agenda) eine freudentaumelnde Siegesfeier der ungewöhnlichen Art mit. Und zeigt: Klezmer lebt. Und Rabbi Berner auch.

«Ich will originelle Klezmermusik machen – betrunken, dreckig, politisch und leidenschaftlich. Als Jude osteuropäischer Abstammung sehe ich es als meine Pflicht, diese Musik lebendig zu machen, und sie nicht hinter Glas aufzubewahren wie in einem Museum.» Racheengel des Klezmer nannte ihn Canada’s Globe and Mail. Trifft tupfet genau. Andere verehren ihn als heilsbingenden Messias des Klezmer. Scheiss drauf: Berner ist ein rotzender Fassadenkratzer, der die Oberflächen durchleuchtet und dann alles, was drunter zum Vorschein kommt, unverblümt poetisch ausposaunt; ohne Blatt vor Mund oder Geschlechtsteilen. Ein Paradiesvertriebener, dem’s draussen in der Hölle so richtig warm wird um’s Herz. Einer, der Whiskey predigt und auch Whiskey meint (die ganze Mississihl voll): Und der Whiskey Rabbi bringt diesmal nicht nur sein Akkordeon und seine gopfertami seelenwärmenden Stories mit, sondern auch zwei gopfertami gute Mitmusiker. Grosse Melodien, Herzsteine zertrümmernde Momente an einem kleinen Fluss, der – wär er denn aus goldenem Whisky, äh, Whiskey, nur ausgesoffen an Geoff Berner vorbeikäme. Also nix für Trockenguezlis!

«We’re all trying to put out a vision of Jewish culture that’s the opposite of the conservative, knee-jerk pro-Israel, judgmental bullshit that’s emerged in recent decades.» – Geoff Berner

«Cherish him, cherish him, for there really is no one like him. Fantastic.»
— Billy Bragg

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