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Hypnotischer Zauber
Montag, 28.01.2013, 20Uhr20
Lokalbühne
Eleni Mandell
+ Sylvie Lewis (USA)
In der Vorschau zu ihrem letzten unser aller Inselkonzert schrieben wir über den beseelten Vorgänger «Artificial Fire», der grossen Verwandlungskünstlerin Eleni Mandell sei wieder mal ein kleiner Überraschungscoup gelungen, sie wandle & entwickle sich konsequent weiter. Das gilt noch immer.
Während sie sämtliche Stile ihrer bisherigen Karriere - von Indie bis Country - durchdekliniert, liefert ihr fantastischer Saitenmann Drake stets die richtigen Licks ab. Hypnotischer Zauber: Oft hockt seine Gitarre klein und böse in der Ecke und kommentiert und konterkariert das Geschehen mal spöttisch, mal höhnisch, mal mitfühlend. Überall hat der Mann seine flinken Finger drin; er gibt Mandells heterogener Songsammlung den festen Rahmen, führt sie stilsicher vom Rock zum Folk und wieder zurück.

Eleni Mandells Weg begann – und das sagt sie selbst – mit dem etwas schrägen Vorsatz, am liebsten Tom Waits sein zu wollen. Es folgte mit «Country For True Lovers» eine Kehrtwende: Plötzlich galt sie als Garantin für erstklassigen Retro-Sound mit traditionellen Wurzeln. Sie entwickelte sich von da weg, hin zu einer eigenständigen Form, die zuletzt in bemerkenswert gut gelaunten Strukturen endete. Pop – an dem sie sich einst die Zähne ausbiss – hat sich ins Geschehen gemischt, wie auch eine Prise Indie-Rock. Heute hat Eleni ein ziemlich beeindruckendes Gesamtwerk vorzuweisen, das im Vergleich mit Blondie, Elvis Costello, PJ Harvey, Chrissie Hynde, Joni Mitchell, Talking Heads und Television locker mithalten kann.

Eleni ist in der Zwischenzeit Mutter geworden und hat mit ihrem Sideprojekt The Living Sisters für Furore gesorgt. Und sie kann jetzt auch in die Zukunft sehen. Nicht mit Kristallkugel, sondern mit Zukunftsmusik: Eleni Mandell's neues Album «I Can See the  Future» wurde produziert von Joe Chiccarelli (The Shins, The Strokes, White Stripes). Die beiden sind a) ein echtes Dreamteam und haben b) geschafft, Eleni's verträumten Gesang c) mittels Hochkaratmitmusikern d) in präzisen Stimmungsbildern so richtig wunderprächtig zum Blühen zu bringen. Weniger Indie als der Vorgänger, dafür mehr Soul-, Gospel-, Jazz- & Country-Elemente. So bringt Greg Leisz die Southwestern-Landschaft von «Desert Song» mit seiner Pedal Steel-Gitarre so richtig zum Glühen. Saxofonist Steve Berlin (Los Lobos) poliert die souligen Konturen auf Vordermann. Und Benji Hughes spielt den Lee Hazlewood zu Eleni's Nancy Sinatra auf «Never Have To Fall In Love Again”. Drummer Waronker spielt durch, wischt auf den Snares wunderbar den Jazz ins «So Easy». Starke Farben auch von den Background-Chören ihrer Living Sisters und den Streicher- & Bläser-Arrangements von Bright Eyes' Nathaniel Walcott. Im Oktober des – schon wieder – letzten Jahres tourte sie mit keinem Geringeren als Nick Lowe durch Nordamerika. Wir freuen uns auf die musikalischen Prophezeiungen der aktuellen Eleni Mandell. Hier & jetzt schon.

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