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Feins z'Mittag vom 21. bis und mit 25. Januar 2019.
Am liebsten gelesen, gehört und angeschaut ...
Handgemacht & unendlich reizvoll.
Mittwoch, 12.09.2012, 20Uhr20
Lokalbühne
Big Harp (USA)
Met. Fell in love. Made a baby boy. Got married. Made a baby girl. Started a band. Die Band heisst Big Harp, lebt, wenn nicht grad mit Kind & Kegel unterwegs, in L.A. und ist der neue Stern am Saddle Creek-Folk Country-Himmel.
Eine Ehepaarband. Und das kann hörbar saugut gehen. Der Erstling von Landei Chris Senseney (vocals, guitar, keyboards; Art In Manila, Tilly & The Wall) aus dem gottverlassenen 2’800-Seelenkaff Valentine, Nebraska, und Weltstadtneurotikerin Stefanie Drootin-Senseney (bass, backing vocals; Good Life, tourte mit Bright Eyes, Azure Ray, She & Him) aus der engelverseuchten 8-Millionen-Metropole L.A. heisst «White Hat». Daran arbeiteten sie, wenn Baby Boy & Baby Girl im Bett waren. Dann spielte Chris Stefanie seine 40 Songs vor, von denen 15 arrangiert, eingeübt und in drei Tagen mit Drummer Chris Phillips und Bassist & Producer Pierre De Reeder (Rilo Kiley) aufgenommen wurden. Die bunte Song-Palette enthält ebenso gunslingende Saloonmärchen, zartbitterste Intimstballaden wie herzzerreissende Love Songs. Roh & authentisch eingespielt. Live. Energisch & geistesblitzend.

Auf dem Western assoziierenden Cover führt ein gelb (für weiss!) Behuteter einen Esel mit passiv hockender Gelb(für Weiss?)schuh-Frau am Halfter durch eine karge Gegend vor unter-oder-aufgehender gelber (Weissglut?-)Sonne. Und kündigen da hinten am Horizont eventuell farblos dräuende Gewitterwolken einen Sturm an? Ziemlich gepäcklos alles, auch wenn die Reise noch länger dauern könnte. (Feuer-)Wasser? Keinen Durst? Hört ihr auch das weisshütige Echo von Giant Sand, Band Of Blacky Ranchette, Rainer, Townes Van Zandt, Nick Cave, Willie Nelson undoder Captain Beefheart? From here to there it’s too short, but from here to here it ain’t far enough. Andere bestätigen Townes Van Zandt, verweisen ansonsten aber mit Verve auf das erste Michelle Shocked-Album. From Classic Country & Folk to Indie Punk: Solides Storytelling, eigenwillige Melodien. Vieles, besonders der lakonische Gesangsstil, erinnert durchaus an Jonathan Richman, Chris Darrow, Shivers und die gute alte Handsome Family. Jeder Song eine Geschichte. Charmant & delikat. Bodenständig & wetterfest. Handgemacht & unendlich reizvoll.

Im ersten Lied geht Nadine «like in every other song» nach Kalifornien, im letzten kehrt sie zurück. Das Paar heizt live mit minimalen Arrangements, grosser Geste, feiner Klinge tüchtig ein. Und irgendwann nach einem letzten Song werden sie nach L.A. zurückkehren, um Baby Boy & Baby Girl zu Bett zu bringen und das nächste Album einzuspielen. Aber vorher binden sie ihren Esel für einen wunderbaren Inselabend am Cycling Dandy-Veloständer an, in der Hoffnung, dass Alt-Bundestrainer-Hausmeister-Oberdandy Schramm davon nichts mitbekommt. (Hat der eigentlich was mit der Nürburgring-Pleite am Senkel?)
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el Lokal