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Folk aus der Dunkelkammer...
Montag, 05.09.2011, 20Uhr20
Lokalbühne
Delaney Davidson (NZ)
«Man stelle sich vor, Bob Dylan covere die Songs von Tom Waits’ ,Bone Machine‘ und Son House spiele dazu die Bottleneck-Gitarre»
Eigentlich stammt der Junge aus Neuseeland: «Shipped down to Christchurch in a shoe box at 5 months old after seeing the Rolling Stones play at 2 months old. Voted "Biggest Dreamer" in primary school, until he went to Special Dreamers School. Asked to leave Special Dreamers School after being suspended four times at the ripe old age of 14. Left New Zealand and migrated over the ditch to Australia to fail last year of school. Moved back to New Zealand and began his career in the Catering Industry, with training at the Rangiora Training Prison (R.T.P.), learnt to drink Whisky, and was fired from his first job as 2nd chef for urinating on the bar. Moved back to Australia after this eventful year, and started playing music in Bars.» Mit 14 also von der Schule geflogen, stolpert Musterträumer Delaney Davidson also bereits in jungen Jahren von Bar zu Gefängnis und zurück. Zurück – zu seinem Glück – der Arbeit und der Musik wegen. Etliche Bands pflasterten seinen Weg. Zet Be unsere geliebten Dead Brothers. Und sie hängten ihn höher. Nun ist er alleine, ganz alleine. Von allen guten Geistern verlassen. Oder besser: In Begleitung seines Phantom Orchesters, eines staubigen, verbeulten Koffers und whiskyschwangeren Songs verbringt er die meiste Zeit des Jahres. Oder so.

Etwas ausführlicher setzt sich diese krude, aber umso wahrere Outlaw-Geschichte so fort: Als der Reisende als verheirateter Mann im Berner Café Kairo landet, wo er als Koch arbeitet, trifft er den hohepriesterlichen Reverend Beat-Man und verfällt – wie schon so mancher vor ihm – der süffigen Philosophie dessen Voodoo Rhythm-Labels. Zwei Alben mit den Dead Brothers und unzählige von Kilometern auf Solo-Tour durch Europa und die USA führen Davidson schliesslich an den Punkt, seine One-man-Ideen auf ein eigenes Album zu bannen. So melodiös und so poppig hat wohl noch nie ein Beat-Man’sches Vodoo-Küchen-Gebräu geklungen. Allen voran besticht der «Magpie Song» durch echte Ohrwurm-Qualitäten: Eingängig, tanzbar, extrem gutlaunig. Und trotzdem echt Vodoo Rhythm. Wie das ganze Selbstenthauptungswerk «Self Decapitation»: Low-Fi, mit viel Liebe für Bläser und urigen Rhytm’n’Blues rumpelt sich Davidson mit seinen Mitmusikern (der Reverend preacht die Gitarren) durch die elf Nummern. Mordballaden und Gespenstergeschichten sind die zentralen Themen. Etwas Altertümliches taumelt im Raum, irgendwo zwischen Kirmes und Zirkus. Immer rettet die mitreissende Zigeunerjazz-Seele vor zuviel Schwermut und Lebensüberdruss. Grossartig und extrem zürihündfründli für einen fremdfötzligen Selbstköpfer, der unsere Stadtinselrocker Felix, Regula & Exuperantius mit ihrer modischen Unterarmbehauptung nicht mal von Ferne kennt. – Unser Graureiher lässt übrigens fragen, wie’s eigentlich dem Sand-statt-Schnee fressenden Pinguin geht, der sich nach Neuseeland verirrt hat...
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