Unsere Elektrobrieftauben fliegen immer wieder ins worldweite Nezz. Unseren Newsletter abladen. Mindestens wöchentlich ...
Feins z'Mittag vom 18. März bis und mit 22. März 2019.
Am liebsten gelesen, gehört und angeschaut ...
«I will not bore you.»
Sonntag, 27.11.2011, 20Uhr20
Lokalbühne
Ben Weaver (USA)
«Eventually the good songs started to come. Ones that felt real, had their own legs. They came like all good things do. When I ceased looking. Connected to my surroundings, my past, my life, for what it all was, without romanticizing what I thought it should or could be. I found a new perspective. Let the birds in my head fly free.» – Mirepoix & Smoke, Ben Weaver
Ben Weaver sei ein amerikanischer Singer/Songwriter mit markanter Stimme, die ihm oft Vergleiche mit Tom Waits einbrocken, während andere (oder auch dieselben) sein Songwriting mit demjenigen von Leonard Cohen gleichsetzen. Das ist zwar nicht totaler Chabis, aber ziemlich. Medienrauschen. Firlefanz & Habakuk. Dümmer als Brot. Jeder Regentropfen hat mehr zu sagen. Ben Weavers Stimme ist so eindeutig und einzigartig (wie die von Tom Waits), dass sie keine Vergleiche mit noch so Heiligen (wie St. Leonardo da Cohen) zu scheuen braucht. Ben ist Ben und damit basta. Dass auch sein Songwriting mit den Grossen dieses Globalen Dorfes mithält, hat er bei uns schon x-mal deutlich gemacht. Mehr als das: Jedes seiner Konzerte hat sich in den Erinnerungshirnwindungen unauslöschlich festgesetzt. Oder unter den Fingernägeln, wie sein 2004er-Album heisst: «Stories Under Nails». – «Ich blute sie raus», sagt Ben Weaver über seine Songs. «Ohne sie hat die Welt keinen Sinn.»

Nach seinem hauptsächlich in Berlin (Prenzlauer Berg) aufgenommenen Sechstling «The Ax and the Oak» (2007), der nicht über Berlin sei, aber über das, was sein Berlin-Aufenthalt ihm kreativ eingebracht habe, schien die Welt bzw. auch die Musik für Ben keinen Sinn mehr zu haben. Um sich von den Erlebnissen in Deutschland und dem anschliessenden writer’s block zu erholen, brauchte er eine Auszeit. Zurück in Minneapolis schuftete er als Gardemanger, als Koch der kalten Küche, in einem Farm-to-table-Restaurant. Aus der Einsamkeit & Intensität dieser Erfahrung entstand das siebte Studioalbum des 32-Jährigen: «Mirepoix & Smoke» (2010). Smoke ist klar, aber Mirepoix? Wiki: In der Küche bezeichnet Mirepoix eine Röstgemüsemischung (benannt nach dem Herzog von Mirepoix, 1699-1757) aus einem gleichmässig in Würfel geschnittenen Wurzelgemüse wie Rüebli (steht natürlich Möhren!), Sellerie, Petersilienwurzel und Lauchgemüse wie Zwiebeln und Porree. Beim Anrösten im erhitzten Fett verringert sich der Wassergehalt und die Aussenschichten des Gemüses trocknen aus. Durch die Hitzeeinwirkung wandelt sich die im Gemüse enthaltene Stärke zu Dextrin und die Zuckerstoffe karamellisieren: Es entstehen neue Farb- und Geschmacksstoffe. Bei der Zubereitung brauner Grundsaucen für Fleischgerichte wird das Röstgemüse Mirepoix dem Saucenfond aus Schmorfleischstücken und gerösteten Knochen zugegeben.

Spröder, rauer und erdiger, ja traditioneller & intimer gab es Ben Weaver bisher nicht. Reduziert auf akustische Gitarre oder Banjo, ein Bässchen hier, ein Pianoklimpern dort sowie hie & da stimmlich begleitet von Erica Froman, Ex-Mitglied der Dream-Popper Anathallo. Wie bei «Ax in the Oak» in Zusammenarbeit mit Produzent Brian Deck (Califone, Modest Mouse, Iron and Wine) wirft Weaver Ballast ab. Eine neue, tiefe Verletzlichkeit macht sich breit. Froman bereitet den fruchtbaren Boden, auf dem Weavers Skizzen wie «City Girl», «The Rooster's Wife» oder die ergreifende Liebesgeschichte von «Grass Doe» sich ergiessen, wachsen, ranken, wuchern, ausbreiten. Das nur 30 Minuten lange Album ist von bestechender Intensität und inhaltlicher Geschlossenheit.

«Mirepoix & smoke» konnte das Multitalent Weaver erst schreiben, nachdem er  die Musik komplett überwunden hatte. Loslassen. «This record is about me, my story, who I am and how it all keeps evolving», sagt Ben. Nach einer richtigen Arbeit, mit einer neuen Passion: Kochen. Natürlich auch: Essen. Die Musik ist so delikat, dass man sie sehen, riechen, schmecken und fühlen kann. Dass unser alter Freund Ben damit in unserer inselreichen Tausendsternkombüse ebenso wie auf unseren weitgereisten Weltbedeutungsbrettern auf offene Ohren & Herzen stösst, ist mehr als klar wie Klossbrühe. Wir lieben ihn. Wir haben lange gewartet, bis der Sohn endlich wieder mal nach Hause kommt. Aber er kommt. Und er blogt: «I will not bore you.» – Thanks, Ben.

«…Americana full of weary determination and aphoristic clarity, somewhere between the Band and Tom Waits.»—The New York Times

«Ben Weaver is the most exciting young songwriter I've come across, an American original whose voice and guitar are matched only by the power of his words. His songs are an incredible, haunting gift of music.» —Author Larry Brown (1951-2004)

«...strange, skin-prickling tales picked up from the Moebius strip of a lost highway he's been compelled to travel on... like a hillbilly Leonard Cohen.»
— Mojo

top...
el Lokal